Uns auch nicht

Gleich welchem politischen Thema ich mich zuwende, gerate ich in die Ermüdung. Intellektuell anspruchslose Operationen werden mir seitens der Vertreter gleichwelcher Ansicht vorgeführt und zugemutet. Einfach und schlicht liegen die Dinge, wenn man wegläßt und zum Verschwinden bringt, was der Übersichtlichkeit widerrät. Der „Reduktion von Komplexität“ geben die Akteure in der politischen Debatte bereitwillig nach, da in ihrer Sphäre auf Entscheidungen gedrängt wird. Dafür oder dagegen. Ich mit meinem ewig dritten oder vierten oder anderen Weg komme dabei unter die Räder und verliere, wenn es ganz schlimm kommt, vielleicht als erster. Die Nerven, die Geduld, schlimmerenfalls das Mitgefühl. Rechthaberei macht müde, meine eigene, zeigt sie sich, ärgert mich. Es hilft bereits, wenn jemand in einer Krise zugesteht, daß die Lage verwickelt ist – statt dezisionistisch die Widersprüche zu ignorieren und Richtungsbefehle zu erteilen. Vielleicht warten die Menschen in unserem Lande gar nicht auf falsche oder richtige Entscheidungen. Vielleicht sind sie noch mit dem Verstehen beschäftigt, was umso länger währt, je mehr man ihnen in den Ohren liegt. An jeder passenden Stelle rufe ich aus: Laßt die Leute in Ruhe. Man soll sie nicht betäuben, nicht täuschen, nicht penetrieren.


Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Uns auch nicht

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert