Goldstaub

Wer hat zwischenmenschlich Politik nötig? Vermutlich nicht diejenigen, deren Ansehen und Geltung gesichert sind, die in akzeptierten Grenzen leben und in Ruhe gelassen zu werden wünschen, um das zu tun, was sie tun möchten, und nicht das, wozu ein anderer sie zwingt oder zu überreden versucht. Politik betreiben die Unzufriedenen – das sind die Unersättlichen und die Zukurzgekommenen. Sie möchten die Verhältnisse zu ihren Gunsten verändert wissen und agieren. Sie koalieren, fraktionieren, separieren, divergieren, intrigieren, opponieren, agitieren und so weiter. Da sie es tun, haben nun oder demnächst alle „Politik“ nötig, und sei es, um sich zu schützen. Wer aber sind jene Unzufriedenen, was sind sie außer unersättlich und zu kurz gekommen? Was bedeuten Wörter wie Geltungsdrang, Ehrgeiz, Narzißmus, Minderwertigkeitskomplex, Führungsanspruch? Was ist los mit den Menschen, warum sind einige von ihnen so ungestillt, daß sie niemals Ruhe geben können? Was benötigen sie denn, kann man es ihnen nicht geben, schnell und wirksam? – Nein, das kann man leider nicht. Die Ursachen liegen tief verborgen in der Geschichte und Vorgeschichte des Individuums. Wer zu wenig bekam, wird zu viel wollen. Es gibt für sie einen Ausweg: Nicht mehr wollen, nur noch lassen. Zuhören und freundlich sein, auf Geltung verzichten. Dann regnet es Glück. Sie müßten allerdings gegen „ihre Natur“, gegen die Gewohnheit des Erstreitens leben.


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