Vor kurzem sah ich einen Filmbericht über einen Mann aus Deutschland, der sich in Alaska ein kleines Grundstück gekauft und auf diesem Grundstück ein Holzhaus errichtet hat, inmitten der Wildnis an einem Fluß. In Deutschland arbeitete er als Krankenpfleger, doch irgendwann hielt er es nicht mehr aus und verwirklichte seine Vorstellung vom Ausstieg aus dem zivilisatorischen Hamsterrad. Der Film zeigte ihn bei den unzähligen Verrichtungen, die nötig zu sein scheinen, um dort zu überleben. Allein der Betrieb und die Instandhaltung einer Wasserpumpe muß einen technischen Laien an den Rand der Verzweiflung führen. Wie zieht man ein schweres Boot mit Außenbordmotor ans Ufer und transportiert es dorthin, wo es winterfest gelagert werden soll? Wie bekommt man den Außenbordmotor in den Schuppen neben dem Haus? Der Alaskamann aus Deutschland hatte melancholische Augen und sprach langsam und überlegt. Er rauchte Selbstgedrehte, saß am Feuer und schaute in die Flammen. Er hat seinen Wunsch wahr werden lassen und ist rund um die Uhr beschäftigt, seine Existenz dort zu sichern. Bären tauchen auf und verschwinden wieder. Weit entfernt leben andere Menschen, man besucht sich, grillt zusammen und redet. Nichts dort erinnerte auch nur annähernd an jene wilde Romantik, die der Aussteiger einst vielleicht, als er noch Pfleger war, im Sinn gehabt haben mochte. Dem Vernehmen nach bereute er seine Entscheidung nicht. Doch alles, was ich sehen konnte, war unfaßbar deprimierend. An wem das liegt, weiß ich nicht: am Film, an mir, an der gezeigten Situation.
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