Die armen Wörter

Sozusagen ist gewissermaßen ein Lieblingswort, denn gewissermaßen zählt sozusagen ebenso zu den Adverbien, einer unzuverlässigen Gruppe von Wörtern, die sich (nahezu unbemerkt) den scheinbar solideren Adjektiven beigesellen und zudem für Verwirrung sorgen, indem sie die Adjektive in die Klemme bringen, entscheiden zu sollen, ob sie adverbial oder attributiv verwendet zu werden wünschen, gerade so, als fragte man diesbezüglich nach, statt schlichtweg zu kommandieren. Gehorsam sind sie stets, was bliebe ihnen sonst (ihrer Stärke nicht bewußt). Natürlich sind Wörter keine Wesenheiten, mag man einwenden. Doch allzu sicher sein kann man sich diesbezüglich nicht sein. Ich warne vor Verniedlichung der Sprache. Ich warne, falls das hilft, sogar vor Indienstnahme von Wörtern. Das darf man bitte lassen, denn sie werden sich rächen. Schließlich nämlich kann sie niemand mehr hören.

Die armen Wörter

Auf ein Neues, Compañeros

Das Problem der Bürgerlichen ist lösbar. Sie bilden Debattierklubs und tauschen sich aus, müssen zuvor nur sich älterer Tugenden befleißigen und den Autoritätsgehorsam ablegen, der ihnen innewohnt, seit sie annehmen, sie und Ihresgleichen hätten das Sagen. Das haben sie und Ihresgleichen durchaus nicht, da sie abgelöst wurden. Nun schauen sie bunt und wirr aus der Wäsche und suchen den Feind. Das macht Mut und wird endlich auch fruchten. Nur dauert das. Einstweilen winken die teilautorisierten Schelme neue Ungeheuerlichkeiten durch. Es muß um Milliarden gehen, sonst ist das Problem nicht groß genug, um es sozusagen lösen zu dürfen.

Auf ein Neues, Compañeros

Efeuranken

Das Denken soll sich nicht einkapseln müssen. Es soll frei sein und sich äußern. So gerät es gut an die Gegner, derer es bedarf, um sich prüfen zu können. Für ein offenes Feld der Debatten und des fröhlichen Sprechens. Die Verkrustungen brechen auf. Nimm die Axt aus dem Mund. Das Eis schmilzt bereits, es wird Frühling und heute ist Vollmond. Wärmen wir uns am Feuer unserer unterschiedlichen Auffassungen, streiten wir wie lustige Hähne. Wir sind hier, um Freude zu empfinden. Wir sind hier, um unser Leid mitteilen zu dürfen. Erhobenen Hauptes verlassen wir den Tag.

Efeuranken

Mahlstein

Wir leben in schwieriger Zeit, im Kopf dampfen und schäumen die unlösbaren Probleme. Das Herz schlägt leise ermattet im Gleichklang der Phrasen von Propaganda und Gegenpropaganda. Gut gegen Böse, nichts dazwischen. Kriegslogik. Dazwischen nur der leise rieselnde Quarzsand der ewig verrinnenden Zeit. Wie trostlos die Schlachtfelder liegen entlang der Linien durch Heide, Feld und Wald. Kampfdrohnen kreisen über den Absolventen des schaurigen Scheiterns.

Mahlstein

Innenaußeninnen

Das Leben spiegelt sich in Texten oder findet sich in ihnen widerspiegelt. Das ist falsch. Die Texte versuchen, sich im Leben zu spiegeln. Auch das mißlingt. Sie bleiben getrennt. Manchmal werfen sie sich Tennisbälle zu, von einem Hof in den anderen. Nein, das ist ebenfalls falsch. Das Leben wirft nicht mit Bällen, das besorgen die Menschen. Überhaupt sind sie recht bedürftig. Das spüren auch die Tiere. Nichts Fremderes in der Natur als der Mensch. Wenn einer von ihnen über Natur spricht, denkt er, sie sei draußen.

Innenaußeninnen

Was man von Anfang an weiß

Ich habe versprochen, daß es hart wird. Nun ist es das. Morgens noch hochfliegend (positive Nachrichten ausstreuend), mittags schon matt und lädiert, abends demoralisiert bis zur Auswechslung. Nimm mich aus dem Spiel, Trainer, bitte! mit mir wird das nichts. Frühjahr schneidet bis auf die Knochen, dazu dieser entsetzliche Optimismus der Frühblüher. Die zarten Linien geöffneter Kelche, als müßten die Porzellanmaler ein weiteres Mal noch studieren, um ’nach der Natur‘ zu arbeiten, bei eisigen Winden. Die Tapferkeit dieser kleinen Gewächse, während ich bereit bin für die Abfuhr. Es ist schrecklich schön unter Menschen.

Was man von Anfang an weiß

Hymne: halb Klage, halb Frage

Man muß erstmal dahinter kommen, daß Bedeutsames geschieht – man selbst nicht unwesentlich ist, wie es suggeriert wurde; daß die Begegnungen wichtig sind, daß sie zählen, daß sie wert sind; daß man selbst niemals nichtig ist, daß es vielmehr wichtig ist, sogar entscheidend, wem wir begegnen und wann und, mag sein, wo. Ort und Zeit finden zueinander, wenn Wichtiges sich zuträgt. Selten weiß man sogleich, was dieses oder jenes bedeutet, es braucht auch Zeit, solches zu verstehen; oft sind es Jahre oder dauert in die Jahrzehnte. Nehmen wir einander nicht als Banalität. Erachten wir uns selbst, falls möglich, nicht als zufällig. Das bedeutet nicht, daß wir damit bereits besitzen, wonach wir uns sehnen. Manche sprechen recht schnell von Bestimmung und Schicksal. Diesbezüglich soll man skeptisch sein, doch das Thema ist berührt und zieht wunderschöne Fragen auf sich. Ihnen zu folgen kann eine Lust sein. Wer sagt denn, daß wir genug wissen.

Hymne: halb Klage, halb Frage