Zahlen und Qualen 2

Europäischer Singewettstreit. Ein Fest der Musik, der Lieder, der unterschiedlichen Kulturen. Das Europa unserer Kenntnisse ist ein Kontinent der vielen Sprachen und Gebräuche. Man benötigt wenig Phantasie, sich eine Veranstaltung vorzustellen, die von echten Menschen und ihren irdisch-wirklichen Verhältnissen handelt, diesseits von Kommerzästhetik, Verwertungsinteressen und Pop-Shit. Der Kapitalismus, sollte er schuld sein, ist eine allesfressende und verschlingende Krake. Das angebliche Leben wird zur Simulation. Das Echte wohnt und zieht sich zurück in die Körper. Ihre Leiden sprechen Bände. In Musik und Tanz sind Heilungskräfte eingeschlossen, die sich befreien möchten. Lieder, die von nichts handeln und aus einem bezahlten Irgendwo kommen, verglühen. Niemand sinnt oder trauert ihnen nach. Mein Mitgefühl gilt jenen, die in der Apparatur einer solchen Großveranstaltung dienen müssen, weil das ihr halbwegs bezahlter Job ist. Sinnlosigkeit ist eine irdische Form von Höchststrafe. Ich kenne sie.

Zahlen und Qualen 2

Nichts von beidem 1

Sich einer Sache verschreiben, einem Anliegen, einer Idee? Nur zu, die Pfade des Ruhms und der Ehre leuchten weithin im Glanz gewisser Beleuchtung. Wer jung ist, möchte zeigen, muß zeigen und wird zeigen, was zu bieten ist. Etwas ist nicht nichts. Die Tapferkeiten der Selbstüberwindung sind immens, sie werden honoriert. Durch Initiationen hindurch ersteht die erwachsene Person. Sie ist das erklärte Ziel der allgemeinen Bemühungen, sofern sie pädagogischer oder anderweitig unterstützender und zurechtstutzender Natur sind. Nach den Initiationen stellt sich die Frage der Widmung. Ich würde es schlimmer formulieren, dramatischer, zugespitzter: Wem gehöre ich denn? Und diese Frage als Schrei ausführen, aus einer Not heraus. Daß das stört, ist eingeplant. Ich bin nicht jung, ich bin nicht unerfahren. Ich frage mich nur durch. Noch einmal: Wem gehöre ich?

Nichts von beidem 1

Schnupfen und Halsweh

Die beiden sind weg. Zum Glück. Stattdessen Remmidemmi im Puff zur letzten Chance. An was denkst du, wenn du Puff sagst? Nicht an Prostituierte, sondern an ein Freudenhaus ohne Freude. Ich wurde gefragt, ich habe geantwortet. Das Problem der käuflichen Liebe vermag ich nicht zu lösen; ebenso wenig, wie ich irgendeines der anbrandenden Probleme werde lösen müssen. Sie umgeben uns wie die Gischt eines Lebens, das voller Kraft und Rücksichtslosigkeit in uns einfährt, ungebremst. Man hat uns schützen wollen, hätte uns schützen sollen. Ob ich Pessimist oder eher doch Optimist bin, wurde gefragt. Kurzfristig P, langfristig O. Dazwischen liegt eine Zukunft, von der niemand was weiß, außer daß sie naht. Dies für sicher. Ich lausche kurz nur den Strategen unserer gesellschaftlichen Zukunftsausrichtung und stelle fest, daß sie von etwas sprechen, das sie nicht kennen, nur schöner ausmalen, als es ist. Übrigens würden sie dort nicht antanzen. Es kostet den Kopf.

Schnupfen und Halsweh

Halsweh und Schnupfen

Kühle Tage neuerlich, die Eisheiligen sind da. Ankunft am Sonntag, spürbarer Montag. Der Reihe nach heißen sie Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius, hinzu kommt Sophia, die Kalte Sophie. Die Tage vom 11. bis zum 15. Mai sind ihnen zugedacht. Namenstage. Bauernregeln sind Wetterregeln, sie beruhen auf Beobachtung und Überlieferung. Im Mai sind letzte Nachtfröste möglich. Wer mit der Natur lebt, muß sie kennen. Wer gegen sie zu leben versucht, wird scheitern.

Halsweh und Schnupfen

Herz sticht

Während das Technische in die Zauberei überzuwechseln scheint, tendiert das Menschliche zu Selbstverringerung, Ohnmacht, Unterwerfung. Ich lausche den Wunderdingen, die der euphemistisch Künstliche Intelligenz genannten datenbasierten Ressource, die auf Voraussetzungen beruht, die „sie“ selbst weder sichern noch garantieren kann, zugetraut wird, einschließlich der erwartbaren Mythologisierungen. Mich rühren die Meinungen und Kommentare zu solcher Technik, insbesondere die notorischen Erlösungsphantasien oder Hoffnungen. Das Prinzip Hoffnung haftet sich noch an ein jedes, und das spricht nicht gegen Ernst Bloch. Menschen sind Menschen und bleiben es auch. Daß sie Maschinen erschaffen und sich selbst im Genius ihrer Werke bewundern wollen, nimmt nicht wunder. Nicht einmal, daß sie sich abzuschaffen versuchen, wird einen Gott in Erstaunen versetzen.

Herz sticht

Einschlaflied

Begegnungen sind die Essenz des Lebens. Ohne sie verwilderter Selbstwuchs, unkorrigierte Ekstase, Triebausstreckung in unbestimmte Richtungen. Verschwendung, Verausgabung, Erschöpfung. Zugleich: Abenteuer, Erfahrung, Erkenntnis. Wie soll ich wissen, wer ich bin, wenn man mich nicht leben läßt? Gibt es einen Weg zwischen den Warnungen und den Verlockungen des Lebens hindurch? Das kann nicht die Frage sein. Jeder lebt bereits ungefragt eine Antwort. Wie also lautet die Frage? Sie könnte lauten: Kommt man unbeschadet und sicher durchs Leben. Die Antwort lautete: Nein.

Einschlaflied