Nichts naheliegender als ein Rückfall. Nichts naheliegender, als die eingeübten Fehler zu wiederholen. Nichts naheliegender, als die erlittenen Niederlagen vergessen zu machen. Nichts naheliegender als eine Revanche. Nichts naheliegender, als zu triumphieren. Etwa so lauten die schäbigen Angebote des verwirrten Sinns. Das Gegenteil ist nicht richtig, besser jedoch eine Handlung oder Nichthandlung, die mit solchem Konflikt nichts mehr zu tun haben muß.
Autor: Holger Tegtmeyer
Qualität
Die Tage des Urlaubs soll ich keinesfalls zählen, sondern genießen. Jeden Tag, jede Stunde! sagt er. Das tue ich, verspreche ich und berühre kurz mein Herz. Er ist noch jung, doch nun schon erwachsen und der Sohn des Spätkaufverkäufers meines Vertrauens.
The Revolution Will Not Be Televised
Die Grenze selbst ist keine Illusion. Sie wird gespürt, erduldet, erlitten, bekämpft. Andere beten jeden Tag, daß sie hält. Derart unterschiedlich liegen die Verhältnisse, sind die Interessen verteilt. Darüber ist zu sprechen und läßt sich sprechen. Ein Wort wie Gerechtigkeit fliegt von Jahrzehnt zu Jahrzehnt, von Generation zu Generation. Und wäre es nicht schön wenn. Fragte man mich, würde ich vermuten, daß die Großen Systeme sich selbst abschaffen, und daß sie ihren Untergang vorher filmisch festzuhalten verstehen, nämlich ironisch. Vorhin einen Film gesehen, der das zeigt: kinolaut und heftig, endlos lang auch, One Battle after Another von Paul Thomas Anderson mit Starbesetzung. Drei Stunden Irrsinn, man braucht Nerven. Anschließend geht man wie überfahren nach Hause. Beste Unterhaltung kostet Zeit und Unmengen Geld.
Partnerwahl nur in der Tanzstunde
Die richtige Seite ist eine perfekte Illusion. Krieg macht sie möglich oder sie ihn. Ich habe vor Jahren hier die künftigen oder laufenden Kampflinien skizziert. Atem holen, und noch einmal. Wie langweilig. Ich versuche es trotzdem, weiß aber nicht, wo ich beginnen soll. Beginne ich mit dem Ort der Geburt oder dem der jetzigen Unterkunft. Setze ich fort, indem ich äußere Merkmale aufzähle. Wie angenehm, wenn man nicht fett ist. Wie herrschaftlich, ein Luxus-Apartment zu besitzen und nicht bewohnen zu müssen. Sie kommen über die Grenze und töten dich, weil angenommen wird, die Seitenwahl entscheide über ein Lebens- oder Überlebensrecht. Wer sind sie? Echtes Fragezeichen. Sie sind diejenigen, die annehmen, daß dem so ist. Es sind, ich verallgemeinere, die perfekten Illusionen, die dazu anstrengen, andere zu drangsalieren, zu vertreiben, zu töten. Klappt doch ganz gut, sagt der Lieferant für Argumente und Material.
Im Traum wurde abgerechnet
Sie berichteten, was sie gesehen hätten. Wie ich zwar zu Terminen erschienen, dann jedoch nicht die Räumlichkeiten (sie sagten: Räumlichkeiten) betreten, sondern dort hinten – sie wiesen auf eine grasbewachsene Böschung – gelegen und auf den Fluß geschaut (sie sagten: gestarrt) hätte. Daß ich meist abwesend wirkte, angeschlagen sogar, sie sagten: derangiert. Später sei ich dann wieder (sie sagten: angekrochen) gekommen und hätte quasi darum gebettelt, den Auftrag zu bekommen. Wir wußten, sagten sie, daß er falsch ist in dem Beruf, sie sagten: kein leichter Job vermutlich, und fügten pietätvoll hinzu: Was immer einem solchen Menschen angemessen ist.
Tag der Geburt
Paaren sich eine unbürgerliche Bürgerliche und ein unbäuerlicher Bäuerlicher, entstehen interessante Mischlingskinder. Dies zum Dank am Geburtstag, lebendige Seele. Wir sehen uns später.
Herzschonend
Warum muß bei dir alles so wahnsinnig dramatisch sein? fragt die Tochter, verkleidet als Cheerleaderin, ihren Vater, der einmal Sheriff in einer Westernstadt gewesen sein muß, in einer halluzinatorischen Traumsequenz in Goliath, der Serie des Vertrauens. Es ist die Frage, die ich mir jeden zweiten oder dritten Tag stelle, wenn nicht jeden.
Ein Beispiel suchen
Jemand stellt den Mantelkragen auf und geht in die Nacht hinaus, eine regenglänzende Straße entlang, die Straßenlaternen geben diffuses Licht, man hört die Schritte des Enteilenden, und die Musik sendet Abschied, auch Schmerz, eine dosierte Portion, dargebracht durch Jazz mit einem besenweichen Wischen des Atems, der den Song trägt, sch-b-tfff, sch-b-tfff, und lange noch nach, das Saxophon trocken und heiser vom Rechthaben, der Baß konstant, Herzschlag solide, Leben geht weiter.
Robbie Robertson (5.7.1943 – 9.8. 2023)
Aus dem Zusammenhang 364
Miss Kathy: „Hallo Leute!“
Kinder: „Hallo, Miss Kathy!“
Miss Kathy: „Und – wie geht es euch denn heute?“
Kinder: „Guuut!“
Miss Kathy: „Oh, das freut mich. Aber wißt Ihr, wem es heute nicht so gut geht?“
Kinder: „Weeem?“
Miss Kathy: „Mr. Magoo.“
Kinder: „Oh nein, nein, nein! Trauriger Mr. Magoo!“
Miss Kathy: „Und womit geht es Euch besser, wenn Ihr krank seid?“
Kinder: „Mit Medizin!“
Miss Kathy: „Ich habe Medizin gehört. Und genau darüber wollen wir heute reden. Medizin. Also – kann mir jemand sagen, hm, was das ist?“
Kinder: „Eine Tablette!“
Miss Kathy: „Das ist völlig richtig. Tabletten machen, daß es uns schnell wieder besser geht, wenn wir krank sind.“
Kind 1: „Meine Mom sagt, Tabletten können einem schaden.“
Miss Kathy: „Au … nicht, wenn man sich an die vorgeschriebenen FDA-Regularien hält.“
Kind 2: „Was ist FDA?“
Miss Kathy: „Ooh, eine sehr gute Frage, Sally! Die FDA ist die Arzneimittelaufsichtsbehörde. Wer weiß, wie eine Tablette von der FDA genehmigt wird? – Drei Schritte gibt es, um die Genehmigung der Behörde zu bekommen. Im ersten Schritt muß der Wissenschaftler ein Medikament erfinden, mit dem es den Menschen besser geht. Und im zweiten Schritt muß der Wissenschaftler das Medikament an ganz vielen Menschen ausprobieren. Und der dritte Schritt läuft so: Falls die Tablette wirkt, schickt dieser Wissenschaftler die Testergebnisse zur Genehmigung an die FDA!“
Kinder: „Jaaaa!“
KInd 1: „Und warum kann die FDA nicht testen?“
Miss Kathy: „Der FDA fehlen die Mittel, und die Ressourcen für das Testen.“
Kind 1: „Könnte der Wissenschaftler über die Ergebnisse nicht einfach lügen?“
Miss Kathy: „Aber Jimmy, warum sollte ein Wissenschaftler über die Testergebnisse lügen?“
Kind 1: „Um Geld zu verdienen.“
Miss Kathy: „Okaaay. Aber deshalb haben wir ja die FDA – damit nicht gelogen werden kann!“
Kind 1: „Und wenn der Wissenschaftler der FDA ganz viel Geld verspricht …“
Kind 2: „Um die FDA zu bestechen!“
Kinder: „Jaa, jaa, genau!“
Miss Kathy: „N-n-n-nein, nein nein nein. Die FDA würde sich niemals von jemandem bestechen lassen.“
Kind 1: „Woher wissen Sie das?“
Miss Kathy: „Wißt Ihr was – ich glaube, Mr. Magoo geht es schon viel besser! – Oh, ich höre, wie er schnurrt.“
Mr. Magoo (als Handpuppe von Ms. Kathy): „Oh, ich fühl mich gut. Durch die Tablette geht es mir schon viel besser.“
Kind 1: „Ist Mr. Magoo jetzt nach der Tablette süchtig?“
Kind 2: „Was heißt denn süchtig?“
Kind 3: „Mein Dad sagt, meine Mom ist süchtig nach Beruhigungsmitteln.“
Studiosendung für Kinder „After School with Miss Kathy“ in: Goliath, S4 F5 [September 2021]