Allgemein
Leere Worte, aufgetürmt zu Edelschrott
Nur innerhalb eines Buchs und zwischen zwei Deckeln sind Texte ehrwürdig untergebracht und angekommen wie ein Leichnam in teurem Sarg. So denkt sich’s, so sagt sich’s. Der Buchdruck ist nicht alt wie die Menschheit. Bücher sind aus Papier. Texte sind Aussagen in eigener Weise, man müßte sie sprechen hören oder sie selbst sich sprechen, um hören zu können, was sie sagen, was sie sind und ob sie leben können. Was tatsächlich in ihnen wohnt, also eingeschlossen ist und sich nicht wie von selbst befreit, wird sich erweisen. Vieles ist Schellenklang. Der sie schreibt, weiß es nicht und darf es nicht wissen. Dies sind nur einige der Voraussetzungen eines schwierigen Handwerks, das nicht nur Handwerk, aber immerhin solches auch ist. Der Erfolg ist der des Gelingens, mit allgemeiner Anerkennung beginnen die Probleme.
Straßenecke und ein paar Stufen hoch
Wie wir uns durchschlagen. Wiedersehen nach Jahren. Kaum verändert und doch verändert. Viel passiert zwischenzeitlich. Wir erkennen uns wieder, lachen noch wie damals. Der Ort, die Familie, die Beziehung, der Beruf, die Leidenschaften, die Begegnungen, nebenbei Politik, dies und das. Wie wird die Zukunft; die Zukunft wird. Wir werden uns wiedersehen, gewiß und gut. Jeder lebt sein Verhängnis, dachte ich früher. Heute bin ich milder gestimmt: Jeder findet seinen Dämon (Schutzgeist).
Doch von nahem ist er laut und reißend
Das Banale beruht auf Statistik
Wenn Nichtraucher über das Rauchen sprechen, was wollen die denn eigentlich sagen? Wenn Nichtjäger über das Jagen reden usw. Vermutlich irgendwas Objektives, irgendwas, das man nachlesen kann und das erforscht wurde. Aber das ist langweilig richtig, wer will das hören. Wir sind doch nicht hier, um uns anöden zu lassen. Ich erinnere mich, da standen wir um ein Feuer, da stand auch die Gouvernante und gab zu bedenken, daß die Jugend wieder mehr rauche und trinke. Ich gab zu verstehen, daß ich das als ein gutes und längst überfälliges Zeichen werte, da nämlich mit unserer aktuellen Gesundheit nichts anzustellen ist. Man kann damit den Langlebigkeitswettkampf bestreiten, aber eine Freude ist der ist.
Sonnabend nennt man den Samstag in meiner Heimat
Schon ist Abend, eigentlich bereits Nacht. Ich halte mich tagsüber in Bewegung, indem ich durch lange graue Straßen wandere, ohne auch nur das geringste zu suchen oder zu wollen. Aber wandern will ich, das ist mir recht. Ich habe das Teufelsgerät dabei, also mache ich ein paar Bilder – nicht zur Erinnerung, sondern aus Jagdlust und für die Trophäensammlung. Diesmal sind es auf die Straße gestellte Schuhpaare. Schuhpaare sind so gut wie andere Paare, da gehören zwei zusammen und sollen es bleiben. Einmal tropft es aus dem Himmel, da ziehe ich die Kapuze über den Kopf. Bei Ick koof bei Lehmann ein paar Biere gekauft, Lehmann heißt mit Vornamen Horst. Naturtrüb ist nur das Bier. Mein Herz ist rein – wie damals als Kind.
Ich bitte alle Robben um Verzeihung
Alle wissen was, nur niemals genug. Denn wüßten sie zusätzlich auch jenes Grenzensprengende und -überschreitende noch, wüßten sie neuerlich nicht genug. Wozu lehrt man uns Geschichte, wenn wir solches nicht verstehen? Die Apparatur robbt weiter auf wundem Bauch. Einstmals, sage ich mir, wird die irrige, jedenfalls fatale Richtung des Robbens erkannt sein, doch einstweilen hat die Bewegung sich nicht erschöpft. Wir werden dem Fortschritt Denkmäler errichten, sofern die vorhandenen nicht genügen. Es wird Kränze geben, der Feierlichkeiten viele. Man wird der Opfer gedenken und sich schwer damit tun, Gerechtigkeit walten zu lassen. Tue anderen nicht an, was du selbst nicht erdulden möchtest.
Frage der Betonung
Die Gemälde wurden noch nicht gemalt, die Lieder sind nicht gesungen. Es herrscht Stille ohne Ruhe. Die Bildschirme, der Bildschirm. Ein Kompositum besteht aus Grund- und Bestimmungswort. Das Grundwort heißt in diesem Fall Schirm. Schirme sind gut, sie halten ab und schützen. Die Gedichte sind noch nicht geschrieben, die Tagebücher nicht veröffentlicht, die Herzen nicht erlöst. Anmerkung: Sie werden es nicht werden. Wir leben auf Messers Schneide. Die zerteilt das Jetzt in Stücke. Die hungrige Katze wartet, daß etwas in ihrem Napf landet. Alle wissen was.
Gekrümmt vom Leben, aber Hut auf
Atemübungen
Alle reden jetzt und sind aufgeregt und fuchteln mit den Armen, die Politik, die Politik. Ich glaube, daß wir uns darin verlieren, statt einander zu finden oder auch nur uns selbst. Immer mehr und immer stärker die Ruhe werden, die uns fehlt. In ihr liegt die Kraft, wie jeder weiß.