Einer berichtete von einem Museum, das er vor kurzem besucht habe. Er schien recht angetan. Ich hatte nicht richtig zugehört, mußte etwas ordnen, Papiere, Gedanken und Stifte. Wie heißt das Museum, fragte ich beiläufig. Er nuschelte, ich verstand: Selbstmordmuseum. Ich nickte anerkennend. Heißt das wirklich so? Er nickte. Ich wiederholte den Namen: Selbstmordmuseum, das gibt es wirklich? Er korrigierte mich: Nein, Selbstmachmuseum. Da hörte ich wieder weg. Seitdem denke ich über dieses Museum nach, das es irgendwo geben muß. Ich stelle mir Ausstellungsstücke vor. Überbleibsel des letzten Aktes: Stricke, Pistolen, Tablettenschachteln, Klingen. Die Rekonstruktion spektakulärer Suizide: Ablaufpläne, Durchführung. Von der Idee zur Tat. Die ganze Welt der Motive. Abschiedsbriefe. Nachrufe. Zäune und Sperren an besonders beliebten Sprungorten. Eine Weltkarte der Verzweiflung, auf der zu erkennen ist, wo man sich besonders oft tötet. Schilder aus dem aufstrebenden China, auf denen man gebeten wird, es sich noch einmal zu überlegen, es bitte nicht zu tun. Selbstmord lohnt nicht. Stellungnahmen der Kirchen, der großen und der kleinen Religionen. Selbstmord im Wandel der Zeit. Tendenzen. Kulturelle Unterschiede. Geschlechtsspezifika. Viel Statistik, damit man selbst weiß, wann es einen erwischen könnte. Sage niemand, er sei nicht gewarnt worden. Auch ein Gästebuch, in das man eintragen kann, was man selbst weiß oder denkt. Ich denke an ein ergreifendes Buch der Tränen.
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