Kurze und lange Wege hinaus

In der Wartezeit führe ich meine Gedanken spazieren wie fremde Hunde, auf die ich aufpassen muß. Wir ziehen um die Häuser. Ich lasse sie schnuppern und das Bein heben, und eigentlich führen sie mich. Ich bin ihnen gegenüber recht willenlos. Sie sollen das allerdings nicht merken, darum ziehe ich von Zeit zu Zeit einmal straff an der Leine. So denken sie, daß eine starke Hand sie führt. Mit ihnen komme ich unterschiedlich weit. Da sind ein paar darunter, die schaffen es keine hundert Meter, schon möchten sie zurück. Andere liefen mit mir bis ans Meer und am liebsten noch hinüber. Einige sind treue Freunde und verteidigten mich, käme es drauf an, mit aller Vehemenz. Ich habe auch schon welche ausgeführt, die waren miese Luder, pißten in jede Ecke und keiften grundlos. Die habe ich abzulehnen versucht. Leider wurden sie mir erneut zugeteilt. Da habe ich sie eingeschläfert. Die meisten passen mittlerweile zu mir, wenngleich drei oder vier etwas lahmen. Ich warte auf ihren Tod. Ich werde nicht allzu traurig sein, denn einmal muß es enden, auch mit Gedanken. Am schlimmsten sind die über sich selbst. Ich gebe Werner Herzog, dem Antipsychologen, recht: dazu wurde unser Hirn nicht erschaffen. Denken heißt Hunde ausführen, nicht einführen.


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