Gesucht und gefunden werden

Die Kinder zählen laut von 1 bis 20, dann der Ruf: „Komme!“ Sie spielen auf dem Nachbargrundstück. Da dauernd gezählt wird, scheinen sie keine guten Verstecke zu finden. Es gibt Hausecken, Bäume, Büsche und Hecken, alles recht übersichtlich. Diese ungeheure Freude, ja Erleichterung, wenn man entdeckt wurde – als sehr kleines Kind, das erste Versuche macht, sich von der Mutter oder dem Vater symbolisch zu entfernen. Dieser Anflug des Schreckens, wenn man in seinem Versteck aufgespürt wurde wie von der Polizei oder dem Feind – als Heranwachsender, der das Kämpfen und Überleben probt. Jetzt haben sie dich. Im wirklichen Leben würde man nun gefangen genommen und verschleppt, im Lager des Feindes verhört und gefoltert werden. Wir hatten genug gelesen, wir wußten Bescheid. Zum Glück wechselten die Rollen. Jetzt zählt die bislang jüngste Stimme, ein kleines Mädchen. Sie will zeigen, wie gut sie schon zählen kann und kommt fehlerfrei bis 40. Bei 31 stockte sie kurz.


Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Gesucht und gefunden werden

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert