Wespe frei

Die zweite Wespe hat sich erneut zu erkennen gegeben. Wieder schwirrte sie im Zylinder des Lampenschirms umher, wie gestern nacht, bevor sie verschwand. Diesmal gelang es mir, sie zu fangen. Sie flog in das bereitgehaltene Glas, als sei es eine Suite. Ich deckelte das Glas mit der Postkarte ab, die ein sehr guter Freund schickte und mir gestern beim ersten Rettungsversuch zufällig in die Hände geriet. Sie stammt aus dem Jahr 2001, als die Welt sich sichtbarer in jene Richtung veränderte, die wir heute kennen. Eine Novemberkarte, auf der von Politik keine Rede ist. Die Rede ist von einem Besuch in Berlin. Damals war der Absender der Karte noch ein neuer Freund. Fast vierzehn Jahre alt, dieses Hilfsmittel der Befreiung einer Gemeinen Wespe aus der Gefangenschaft des elektrischen Lichts, aus der sie nicht ohne Hilfe gelangen kann. Auf der Karte steht vorderseitig gedruckt: „Geh mir aus dem Weg, ich muß fliegen / Wohin? / Ich sagte fliegen, nicht ankommen.“ Zufall in einer Nacht der Sternschnuppen.


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