Der Blick des Charles Baudelaire

Charles Baudelaire auf der Portaitphotographie von Étienne Carjat. Ich betrachtete sie oft, seit ich von ihm und den Blumen des Bösen wußte. Das ist der Mann, dem etwas Schlimmes widerfahren ist, muß ich gedacht haben. Er könnte ein Verbrecher sein. Innere Zerstörung, äußerlich Spuren frühen Verfalls. Sind es die schütteren Haare, die einfallenden Wangen, die zusammengepreßten Lippen? Die Augen mißtrauisch, als erwarte er Schläge oder ein Wort, das ihn verrät. Augen wie aus einem Versteck. Ein kranker Schimmer darauf, Die künstlichen Paradiese. Ich erkannte die ganze Verworfenheit, fürchtete und suchte diesen Blick eines belichteten Bruchteils einer Sekunde aus dem Jahr 1863. Nun lese ich, was ihm in seiner Kindheit und Jugend widerfuhr, auch vom Selbstmordversuch als junger Mann. Was soll einer tun, der nicht einverstanden ist mit der Entwicklung der Dinge? Er zieht sich zurück, begehrt auf, wirkt verstockt, zieht Strafen auf sich, gelobt Besserung, flieht in andere Welten, schließt sich jenen an, die ebenfalls suchen und heimatlos sind, den Bohemiens. Dem kann ein bürgerliches Leben schwer noch glücken, dem wird nichts mehr heil. Einzig das Greifen nach der Liebe und der Wunsch, es als Künstler zu beweisen. Daß er nicht wertlos ist.


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