Den Tag nicht vor dem Abend tadeln. Morgens keinerlei Auskunft geben zur Lage des Wesens namens Ich. Milchkaffee abwarten, Nachrichten abwehren, Meinungen abwenden. Schritte tun und langsam spüren, wie es geht. Das innere Lied hören, sehr leise und noch von fern. Erste Zeichen empfangen, die Gegenwart schlägt an. Gesichter, Haltungen, Stimmen. Fahrten durch den Untergrund, oben scheint die Sonne. Es stürmt demnächst sicher einmal, auch die Blätter erröten. Dann die gute Arbeit, Zutrauen schenken. Ein paar süße Palaver zwischen Tür und Angel, Menschen, die sich mögen, helfen, verstehen. Das ist solider Boden für Gelingen. Fahrt zurück, es ist eng in der Bahn, neben mir steht eine schöne Frau dieser ohnehin schönen Welt und entschuldigt sich, daß ihr schwarzer Rucksack mich zweimal berührt hat. Bei allen Heiligen, er hätte es unzählige Male tun dürfen. Sie freut sich, daß ich ebenfalls dort aussteige, wo wir aussteigen. Wir kennen uns nicht, und ich wünsche ihr einen schönen Abend und steige allein die Treppe hinauf in den blauschwarzen Abendhimmel und komme mir sehr idiotisch vor. Ich werde sie nie wiedersehen. So finden hier Geschichten nicht statt.
Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.