Die unersetzliche Schönheit des Herbstes

Heimweg über das Feld, die untergehende Sonne im Rücken. Mehrere Male drehte ich mich um und blickte in die zerfließenden Farben. Milchiges Licht, ein kalter blauer Himmel, an dem gestern so viel Platz für unzählige Nachrichten war. Alle Wolkenformen und -farben fanden da zusammen, wie bei einer Malstunde für unterschiedliche Künstler: vorsichtige und ungestüme, Pointillisten, Impressionisten, Realisten, Romantiker und natürlich die Flämische Schule. Heute nur wenig Zeichnung, ein hohes Blau mit weißer Zartschraffur, einigen Brauntönen, gesprenkelt, nur ganz am westlichen Horizont einiges Gewölk, das die Sonnenstrahlen brach und aufglühte. Zwischen der Sonne und mir stand eine mittelgroße Eiche, die aus meiner Perspektive wie das Werk eines Romantikers wirkte und mich auf der Stelle festhielt. Sehr weit hinten die Spaziergänger, winzig kleine Menschlein, wie mit der Schablone gemalt und ins Bild gefügt, damit Himmel, Erde und Baum noch etwas beigegeben sei. Romantik ist eine Art zu schauen und die Welt zu sehen, abhängig von Landschaft, Vegetation, Lichtverhältnissen, Jahreszeit und Witterung. Romantik ist eine Weise, sie zu empfinden und zu bedenken. Romantik ist ein schöpferischer Akt, Romantik ist Komposition. Derzeit ist es schwer romantisch dort draußen. Lange Alleen entlang über einen Teppich aus gelbem, goldenem oder rostrotem Laub laufen, langsam und versunken in schöne und kostbare Gedanken. So geht es sich gut durch die Tage des schwindenden Lichts. Aber der Vollmond heute


Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Die unersetzliche Schönheit des Herbstes

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert