Eine Fahrt von drei Stunden ist eine gute Menge Zeit, um sich etwas auszudenken. Dabei war das gar kein Ausdenken, sondern — genau hier fehlt ein Wort, das die deutsche Sprache nicht zu bieten hat. (Sie bietet: nachdenken, ausdenken, verdenken, bedenken, andenken, umdenken, gedenken, vordenken, mitdenken und sicher einige mehr.) Es war ein absichtsloses Sinnen, ein bewußtes Dösen oder gedankliches Schlendern oder Gehen- und Kommenlassen von Sinn- und Bildeinheiten, größerenteils sprachlich. Es hatte mit der Bewegung zu tun. Kaum rollen unter mir die Räder, geht es los, innerlicherseits. Etwas in mir muß auf die Bewegung gewartet haben, eine größere raumzeitliche Verschiebung. Ich will das nicht künstlich wichtig machen, ich trachte nur danach, es beschreibend zu verstehen. Sonst lebe ich in engerem Umkreis und fühle mich dort auf eine noch zu beschreibende Weise wohl und geborgen. Wie bei einem Stern vielleicht, wie er jetzt in den Fenstern oder über Türen, die ins Freie führen, hängt. Die Spitzen zeigen in die Richtungen, doch der Leib ist zentriert. Ich habe mit anderen Gesichtern und Augen gesprochen und neue Stimmen gehört. Es ist gut, Freunde zu haben, auch wenn man sie viel zu selten sieht. Vermutlich habe ich all dies während der Fahrt durch die Dämmerung verdaut. Das Neue und das Bekannte und die große Freundlichkeit. Es war ein Nachsinnen, demnach. Hm. Nein, es war etwas anderes. Wenn mir das Wort einfällt, trage ich es ein. (Vielleicht ein Nachfeiern, nur eben still und allein auf einem Sitz in einem Bus auf einer Fahrt durch eine altbekannte Landschaft, die ebenfalls etwas zu sagen hat und sich daher einmischt und ja auch einmischen darf, denn sie ist nicht sonstwas fast im Sinne von nichts, sondern etwas, und zwar Besonderes.)
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