Widmung

Sonnentag, hoher Himmel, ein paar luftige Wölkchen, Kondensstreifen, da reisen welche. Die Temperaturen sinken, das ist ein Thema. Ich bin gern dort, wo ich bin (nämlich hier). Ich kann mir Schnee nicht vorstellen, daher freue ich mich auf Schnee. Wir benötigen den Winter für unser seelisches Gleichgewicht. Seit Jahren meditiere ich über unauffällige, aber mögliche Formen des Winterschlafs. Sich für ein paar Monate abmelden und weiter innen andere Lebensformen erprobend. Vielleicht würde ich dem Pinsel ein Wiedergutmachungsangebot unterbreiten, nachdem ich ihn beim Schultuschen fortschleuderte und seitdem nur einmal wieder anrührte. Hundert Gemälde über ein Motiv: der Blick aus meinem Fenster auf eine parzellierte Welt aus Wänden, Türen und Fenstern. Die Zahlen 4 bis 7, der Rosenstrauch, die Teerpappe, das Beet mit dem Baumstumpf, der brüchige Asphalt, der Kirschbaum im Nachbarhof, der so tief steht, daß ich nur den oberen Teil seiner Krone sehen kann. Hundert (oder weniger) Gemälde nach Art der japanischen Meister, Meditationen über den Reichtum im Wenigen. Vor mir steht die Postkarte, eine Abbildung des Farbholzschnitts Ahorn bei Mama aus der Serie Hundert Ansichten berühmter Orte in Edo von Utagawa Hiroshige. Von Hiroshige stammen auch die Acht Ansichten des Biwa-Sees, die 36 Ansichten des Berges Fuji und die 28 Ansichten des Mondes. Sich ganz einer Sache widmen und nicht mehr von ihr lassen, bis sie sich ganz in der Darstellung erschöpft hat.


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