Ofenwärme

Wenn der Ofen zieht, ergibt das ein gutes Geräusch. So klingen Wärme und Geborgenheit. Daß ich etwas tun muß, um wohlige Wärme herzustellen, gefällt mir. Ich bestelle Kohle, bekomme sie geliefert, trage sie in Portionen (25 Kilogramm, gebündelt) in die Wohnung, entfache ein kleines Anmachfeuer mit Holzscheitchen, lege ein paar Briketts darauf und warte, bis sie so weit durchgeglüht sind, daß ich die Ofenklappen schließen kann. Wird es kalt, heize ich morgens und abends. Ist es mild, wie letzter Wochen, heize ich nur einmal am Tag. Im letzten Winter, der mild war, fluchten die Kohleträger: schlechtes Geschäft. Sie schleppen 50 Kilogramm auf dem Rücken und setzen die Ladung ab: im Keller oder in den Kohlebunkern, die hier ebenerdig Tür an Tür stehen, kleine Verschläge Wand an Wand, durchnummeriert. Eine Tonne Braunkohle vom LKW bis ans Ziel. Ich bin der erste Kunde, vier weitere folgen, dann fahren sie zurück zum Standort, um neu zu beladen. Sie schleppen sich die Rücken kaputt und wissen es. Sie versuchen zu betrügen, schummeln, rechnen auf, verlangen Tragegeld, oder tun es nicht. Kleine Kulturgeschichte der Kohleträger. Es gibt Menschen, die hassen Kohleöfen. Andere lieben sie. Es gibt Gründe und Gegengründe, wie in jedem Bereich. Nein, bequem ist es nicht, sich von einem Kachelofen wärmen zu lassen. Doch kümmert man sich, pflegt, reinigt und ehrt ihn, wird er unversehens zum Freund. Sollte ich einmal umziehen müssen, wünsche ich mir eine Ofenheizung. Kleinere Mühe für größere Behaglichkeit.


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