Ludovico Einaudi, Le Onde. Romantischer Minimalismus für einen grauen und nassen Nachmittag, an dem von mir aus gar nichts geschehen soll. Ich sitze zwischen den Papieren meiner Vergangenheiten und werde unaufhörlich erinnert, daß einmal etwas geschehen ist und noch etwas anderes geschah. Staubschichten auf vergilbendem, beschriftetem Papier. Diese verstreuten Zettel und Blätter Dokumente zu nennen wäre geschmeichelt. Vermutlich liegen auch in mir solche Schichten, wenn nicht aus Staub, dann aus anderem Material. Ein paar Bilder kommen zum Vorschein, die offenbar übermalt worden sind. Ich bestehe aus Übermalungen und Überschreibungen, könnte ich jetzt denken. Ich bin nicht sicher, ob ich das denke. Der Zusammenhang zwischen Materie und Geist interessiert mich schon. Was bedeutet eigentlich Erinnerung? Ein Hervortreten des alten Zeugs aus den Winkeln und Verstecken ihrer Verborgenheit, ein Aufscheuchen von sich tot stellenden … – ja was? Sind das noch Wirklichkeiten? Immerhin bewirken sie ein Nachdenken, ein Nachschmecken und Nachspüren. Als sei das durchaus nötig, um (doch noch) zu verstehen. Es geschieht unaufhörlich Neues. Mit dem Verstehen kommt da keiner hinterher. Es geschieht so selbstverständlich und ungefragt. Ich selbst mische mit und weiß doch nicht, was passiert. Beschreibe ich Kreise oder schreite ich voran? Ich vermag das nicht zu erkennen. Bin ich wirklich noch ich selbst oder längst ein anderer? Wie lieb von der Wissenschaft, so einfältige Antworten zu präsentieren. Weiter mit der nächsten Welle, die mich aufschlagen läßt an einem neuen Gestade der Zeit. Ich bin sogar neugierig.
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