Wiege des Tages

Dieses schöne Erschöpftsein. Der Tag war gute Arbeit. Nachdenklich durch die nächtlichen Straßen nach Hause, nach einer verträumten Fahrt im Vorortzug, wo sie müde saßen und sannen. Ein anderes Weltgefühl übt sich ein – und sah, daß es gut war. Befreit von Ambitionen und lästiger Unruhe. Der Tag gibt sich, die Nacht nimmt sich. Feierabend ist ein volles Wort. Es klingt nach Werk und Sinn. Die gefütterte Jacke hält mich warm. Ich weiß, daß ich gute Freunde habe. Der Ofen arbeitet zuverlässig. Bald werde ich müde sein und tief schlafen. Eine Musik mag ich hören. Vielleicht schläfrig coolen Jazz, unaufgeregt und wissend, aus einer Zeit, als ich noch nicht geboren war und die Welt kein Stück besser war. Morgen ist ein neuer Tag, und wenn ich aufgelegt bin, schreibe ich wieder ein paar Zeilen. Das läuft ohne Plan und Ziel, und darin liegt höchster Genuß. Sich legen wie eine Katze. Es gibt ein weiteres schönes Wort: Gleichmut.


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