Es muß eingeschlagen werden auf ein Stück Talent

Wer wirklich weiterkommen möchte, benötigt für sein Leben ein verläßliches und stabiles Problem. Dieses Problem muß gefüttert und gepäppelt werden, bis es groß und fett ist. Denn erst dann kann man es schlachten. Mit dem Blut, das ausläuft, werden die Felder getränkt, damit sie blühen und süße Früchte tragen. Es muß gelitten werden – so lautet der schlimme Imperativ des schöpferischen Lebens. Etwas muß überwunden werden, sonst wird aus allem nichts. Denn da ist viel – doch es weiß nicht wohin. Es findet keine Richtung, es wuchert und schlingt sich aus, umrankt die seltsamsten Halte. Dieses und jenes, hier oder dort, ganz woanders oder jetzt, wenn nicht jetzt, dann später. Die Begabung ist wild wie ein kleines Kälbchen, das vor Gier mit seinen ganzen Kopf im Milcheimer versinkt. Sie will sich verausgaben, streunen, experimentieren, will weit hinaus und sich messen. Dann werden Opfer gefordert, eines nach dem anderen. Es soll gehuldigt werden – unklar bleibt, wem. Einer für ausgestorben geltenden Gottheit vielleicht, einem „Günstling des Mondes“ (Otar Iosseliani), den notorisch unzuverlässigen Musen. Die möchten sehen, erkennen und fühlen, daß es einem ernst ist auf dem weiten Weg in die abgesperrten Bereiche des schöneren Sinns und der schöneren Sinne. Geschenkt wird hierzulande nichts. Unter hierzulande verstehe ich die Festlande des irdischen Seins. Auf den Meeren mag es noch einmal anders zugehen. In den Lüften in Pfeilformation erscheinen die Botschafter der großen Wiederkehr.


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