Wer einem Gedicht nichts zutraut – warum sollte ausgerechnet so einer Gedichte lesen. Er tut gut daran, sie liegen zu lassen, nicht zu berühren, dort zu lassen, wo sie liegen. Irgendwo liegen sie, in Schubladen, auf Dachböden, unter Dielen. Sonstwo. Sie haben unendlich viel Zeit, können warten, sind die uneiligsten Wesenheiten, überleben Steppe und Brand und die blöden Revolutionen, das aufgeregte Trara der Aktualität. Ein Gedicht muß Jahrhunderte überstehen, nicht die kleinen Meinungen – und seien es die des Autors, der ebenfalls nur Mittel zum Zweck ist. Dieses Werkzeughafte menschlicher Existenz ist unabsehbar faszinierend und provozierend. Als leiste sich der Geist seine Gesellen. Der große Meister bleibt verborgen, wurschtelt im Nebenraum. Man hört Geräusche, hört sie nicht, hat sich getäuscht. Da fällt ein Topf auf den Boden. Öffnet man die Tür, ist es dunkel und riecht nach Moder. Auf den Fliesen ein paar Tropfen, rote Farbe oder Blut. Die Staffelei ist leer und verstaubt. Er ist seit langem tot, sagen sie im Dorf. Nur manchmal sieht man Licht, nachts bei Neumond. Das ist der Kitsch, der dort nicht fehlt, wo Heiliges verhandelt wird.
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