Um auch das noch zu sagen … Ich gähne bereits, es ist spät, jemand regt sich auf, er soll sich aufregen, er tut es, er reagiert, jemand wollte, daß er sich aufregt, das nennt man Provokation, das bedeutet: eine Antwort erzwingen. Der Satiriker ist satirisch, der Politiker ist nicht satirisch, sondern ernsthaft, also politisch, was nicht ausschließt, daß er satirisch oder ganz im Sinne der Satire reagiert. Der Satiriker möchte dem Politiker beibringen, was Satire darf und was sie nicht darf. Jeder weiß, daß sie alles darf, solange sie sich als Satire zu erkennen gibt. Satire ist der Schutzraum der Kritik, der Satiriker ist der Hofnarr im Königreich des politischen Ernstes. Was geschieht, wenn der Satiriker satirisch die Grenzen der Satire überschreitet, um dem ernsthaften Politiker, der nicht verstanden hat, was Satire darf, zu demonstrieren, was dann geschieht, wenn etwas nicht mehr satirisch gemeint ist, sondern ernsthaft verletzten will (also nicht will). Über solche Verwicklungen darf demnächst ein Gericht entscheiden, und ich lebe hier und jetzt und frage mich ernsthaft, ob die Menschen nicht einmal anfangen könnten, sich miteinander zu unterhalten, ohne auf Luftballons einzustechen, die die Karikatur eines Gesichts abgezeichnet tragen. Wir kennen uns alle ausgezeichnet gut. Wir leben in Europa. Stelle sich niemand blöd. Wir können das besser.
Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.