Struppiger kleiner Hund

Wenn es das Traurigschöne gibt, dann sah ich es in den Augen des Hundes, der angeleint saß vor der Tür zum Bürgeramt am 4. April, es war ein Montag, kurz vor neun. Die Traurigkeit in seinen Augen war die einer Hingegebenheit, die sich der Hoffnung zuneigt. Ich bin hier verloren, sagte der Blick, doch vielleicht nicht für immer. Hundeminuten sind Ewigkeiten. Die letzten Reserven an guter Erfahrung wurden aufgerufen, um derart brav stillzusitzen auf den verpißten Gehwegplatten längs der Mauern dieses stattlichen Gebäudes, in das auch ich nun treten mußte. Er sah mich an, und ich denke, es ist nicht übertrieben, wenn ich sage, daß ich noch nie in meinem Leben derart vorurteilsfrei angesehen worden bin wie von ihm, diesem struppigen und traurigen Hund vor dem Bürgeramt. Er wußte einiges mehr als ich, obwohl er klein und unscheinbar war und längst nicht so alt. Er hatte auch begriffen, was es heißt, ein Hund zu sein. Es bedeutet: zu warten, draußen. Ich durfte hinein, dank menschlichen Privilegs, und konnte vorbringen, was ich vorzubringen hatte. Man hörte mir zu. Als ich wieder hinaustrat auf die Straße, war er fort. Jetzt kommt er zurück.


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