Tatsächlich aber weiß ich nicht, was es wert ist, wenn Geschehenes aufbewahrt wird in Sätzen und Texten. Ich erblicke darin Widmung und Würdigung. Es ist nicht alles gleich gültig. Das Hervorhebenswerte hebe ich hervor. Ich täte es auch, wenn ich allein für mich auf einer Insel lebte, und sei es nur, um mich zu unterhalten und mir die Zeit angenehm zu gestalten. Schreiben bedeutet Verdopplung der Schönheit und deren völliges Auskosten, und zwar dort, wo das Geistige sinnlich wird. Das Hervorhebenswerte bekommt eine Fassung, ein Kleid aus Worten. Nun läßt es sich zeigen und mitteilen. Sprachwerdung ist Beförderung, wenn die Sprache mitmacht. Daß hierzulande so gut wie gar nicht an der Sprache und ihrem Gebrauch gearbeitet wird, ist ein Makel. In diesem Hölderlin-Land („So kam ich unter die Deutschen …“) denkt man noch immer, es reiche aus, daß etwas gesagt wird. Das ist pöbelhaft gedacht. Der Form gilt zu wenig Aufmerksamkeit. Mit ihr nämlich verliert sich auch der Inhalt. Form bedeutet nicht Steifheit oder Hofknicks, sondern ist lebendiger Ausdruck wirklicher Empfindung. Ich kann mir nicht vorstellen, daß die Menschen so desinteressiert sind, wie sie tun. Sie werden doch noch ihre Worte finden. Darauf freue ich mich. Das Kritische will ich nicht vergessen. Ich denke, es muß lediglich hinaus, um wieder atmen zu können.
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