Kurt Vile / The War On Drugs / …

Freak Train von Kurt Vile and the Violators, Pitchfork Festival 2015, eine Aufzeichnung. Gesichter und Körper der Besucher und Zuhörer. Sie wiegen sich sonstwie, sind sonstwo, kennen sich nicht, verstehen nicht, was ihnen geboten wird. Überfüttert, gesättigt, Opfer des gesellschaftlichen Zuviel. Schade für sie, nicht für den Künstler, nicht für die Band. Doch wer weiß, was in den Köpfen, den Körpern vorgeht, derweil sie hinter den Sonnenbrillen zu dösen scheinen. Oder Wheelhouse (Live at WFUV) hören und komplett verstehen, daß wir nicht nur bespielt, sondern verstanden und artikuliert sind.

Alpträume handeln von Einsamkeit. Einsamkeit entsteht aus Unverstandensein. Alleinsein und Furcht. Deplaziert, disloziert. Alle singen blöde Lieder oder spielen Quizduell oder wischen auf den flachen Flächen ihrer Smartphones und finden Wichtigeres als den Augenblick, in dem sie sich befinden wie alles schöne Fallobst der Materie. Hätte jemand, könnte einer, wollte nicht, sollte schon. Zurück ins Jetzt. Neben dir sitzt einer, der dich duldet und erträgt.

The War On Drugs: Needle in Your Eye #16. Dazu gibt es ein Video, bei dem mir der Atem stockt, denn es zeigt die Vorwärtsbewegungen des amerikanischen Entfaltungswillens, den Wüstentanz des Wahnsinns. Indianer mit Kopfschmuck auf den Boulevards, der Cowboy-Reiter vermählt sich mit dem Automobil, und in diese Wirklichkeiten hinein sägt Adam Granduciel mit seiner vielfach potenzierten Gitarre.

Come To the City, ebenfalls The War On Drugs. Ein Marsch der Verzweiflung und Hoffnung, beide Größen sich ablösend und fortstoßend. Etwas wurde begonnen und kann nicht mehr gestoppt werden, läuft deshalb weiter, endlos. Keine Ausflucht möglich, kaum eine Verschnaufpause. Was die Literatur nicht kann, gibt die Musik und zu verstehen. Wäre ich Musiker, würde ich obsessive Gnadenlosigkeit intonieren und in sie hinein das Zärtlichste legen wie in ein Bett.


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