Zu Besuch bei der alten Dame

Vor allem darf man sich nicht mit den Menschen einlassen, sagt die alte Frau. Das führt zu nichts Gutem, sie sind böse, und wenn sie nicht böse sind, sind sie dumm. Die alte Frau wohnt in einem spitzgiebligen Haus inmitten eines verwilderten Gartens am Rande der Stadt und empfängt mich nur, weil ein guter Freund aus der früheren Zeit, wie sie die Jahre ihres Ruhms nennt, sie darum gebeten habe. Ihm kann ich nichts abschlagen, sagt sie, allen anderen alles. Was möchten Sie denn von mir wissen? fragt sie. Ich weiß es nicht. Sie sagt: Wenn Sie es nicht wissen, sage ich Ihnen, was Sie wissen sollten. Ein fetter Kater besteigt das Sofa, auf dem sie es sich bequem gemacht hat. Ich sitze ihr gegenüber auf einem zerschlissenen Klubsessel, zwischen uns steht ein rundes Tischchen. Sie sollten sich niemals langweilen müssen. Langweilen Sie sich nur, wenn Sie es möchten. Langeweile ist die wichtigste Voraussetzung für das Abenteuer. Wer sich langweilt, hat Sehnsucht nach Leidenschaft. Ihr Blick verliert sich im Raum. Dann sagt sie: Menschen strengen mich an. Das liegt an den Worten, glaube ich. Sie nimmt einen winzigen Schluck, stellt die Porzellantasse zurück. Ich teile nicht ihre Interessen, sagt sie nach einer Pause, ich billige sie kaum. Es ist widerwärtig, was die Leute dort draußen treiben. Es gibt keine  Bescheidenheit mehr. Die starb bereits vor meiner Zeit. Immerhin habe ich noch bescheidene Menschen gekannt. Ich selbst bin nicht bescheiden, war es nie, und nun ist zu spät, um noch damit anzufangen.


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