Die Kontraste dürfen stimmen. Dann strahlt das Helle, leuchten die Farben, frohlockt das Gemüt. (Wann hörte ich das letzte Mal dieses Wort – frohlocken. Vor Freude springen.) Und die Welt ist ein Tanz der Sinne. Dabei erwachte ich müde, fühlte mich anfangs noch leer und recht dumm. Nichts von mir gegeben als ein paar wieder aufgebackene Banalitäten, dachte ich beim Gang zur Mülltonne. Die schalen Freuden der Negation und rührende Versuche, gegen die dunkle Strömung anzupaddeln. Viel zu selten Überblick genug, um das fremdartige und etwas frivole Spektakel zu überblicken, das sich einem bieten kann, wenn man ohne Vorurteile und Meinungen ist. Die Details sollten näher untersucht werden, vielleicht ergeben sich Perspektiven. Das Große und Ganze ist vielgestaltig und zugleich etwas klobig. Wer könnte es wagen, darüber sinnvolle Aussagen treffen zu wollen. Antwort: jedermann. Dieser Jedermann fühlt sein Jeweiliges und nennt es alles. So auch ich, als Narr unter Narren.
Dazu noch einmal Cioran, der kleine Rumäne mit der großen Müdigkeit, ein ewig Schlafloser, der als ein vom Glauben Enttäuschter vorrechnete, wie abgeschmackt und „verfehlt“ die Schöpfung sei, beginnend bei den Affen und von dort einige wenige Entwicklungszüge nach oben, hinauf zu uns, dem Kronjuwel des gesamten Vorhabens. Wir sind nämlich eitel, nicht erst seit gestern. Die Gegenwarten sind stolz auf sich. Cioran soll, als man ihn vor akademischem Publikum als einen großen Philosphen vorstellte, ängstlich und entschuldigend gesagt haben: „Aber ich bin doch nur ein Witzbold.“ Deshalb macht mir die Lektüre seiner Schriften solche Freude, denke ich. Er hält nicht zu viel von sich. Das ist sympathisch, allerdings auch besorgniserregend. Während ich ihn lese, möchte ich ihn manchmal in den Arm nehmen und trösten. Er ist so beunruhigt über diesen Skandal namens Leben. Niemand macht eine derart große Sache daraus. Nur er, der Auf den Gipfeln der Verzweiflung schrieb. Daraus dies: „Es gibt Erfahrungen, die man nicht überleben kann. Darnach fühlt man, daß alles, was man auch täte, keine Bedeutung mehr haben kann.“
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