6-10 m²

Feuerwehreinsätze in Berlin, 300 mehr als an kühleren Tagen. Es wird geraten, viel zu trinken und im Schatten zu bleiben. Die Fahrer der Busse und Bahnen bekommen Extrarationen Wasser gereicht und beneiden ihre Kollegen im Untergrund. In den Gefängniszellen der Haftanstalt Tegel gibt es keine Ventilatoren. Dort sitzen bei Vollbelegung 1.325 Menschen, die etwas Dummes oder Schlimmes getan haben, und können nicht heraus. Kein Badesee, keine Fahrradtour, kein Einkaufsbummel. Dem Tagesspiegel sagt ein lange Inhaftierter, einmal habe es bei einer ähnlichen Hitze Getränke auf Gefängniskosten gegeben, doch das sei zwanzig Jahre her. Zwanzig Jahre Sommer und Winter in einer Zelle, eingesperrt wie ein menschliches Raubtier. Eng wie im Zoo, nur ohne Besucher. Unsere Zivilisation leistet sich unerhörte Barbareien. Die Zoos zu schließen wird gefordert, aus Gründen des Tierschutzes. Die Gefängnisse werden bleiben. Die Idee der Anstalt überlebt jede Reform, wir sind an gewissen Punkten zutiefst verdorben und können mit den Abweichungen im menschlichen Verhalten nicht umgehen. Schaut man genauer hin, erkennt man an allen Ecken und Enden diese „Verlegenheitslösungen“. Ein treffendes Wort. Draußen schreien zwei sich an, ein Ehestreit. Vor allem er ist zu hören, völlig außer sich, „Hör auf, hör auf!“ brüllt er, und wenn er sich nicht unter Kontrolle bekommt, wird er zuschlagen.


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