Im Bett sitzend einem Kitschfilm beiwohnend, in dem eine Erfolgsautorin einige Monate nach dem Unfalltod ihres Sohnes auf einer britischen Insel den Versuch unternimmt, wieder mit dem Schreiben zu beginnen. Sie bewohnt ein Cottage mit Blick auf den Leuchtturm, der von einem noch jungen Leuchtturmwärter beaufsichtigt wird, den sie soeben kennenlernt. Er erzählt ihr die Geschichte der spanischen Wildpferde, die sie am Strand photographiert hat. Sie werden sich lieben müssen, das erkennt man sofort – so wie man alles sofort erkennt in diesem dramaturgisch einfältigen Film, der mich von Minute zu Minute mehr beunruhigt. Nach dem Unfall (Kind ist unbeaufsichtigt im Kanal ertrunken) will die Erfolgsautorin von ihrem Mann nichts mehr wissen, zumal er nicht einmal der Vater des toten Kindes ist, sondern lediglich der Lektor ihrer Unterhaltungsromane. Das Kind, als es eben noch lebte, sprach, wie Kinder in amerikanischen Mittelschichtfamilienfilmen stets sprechen: neunmalklug, verwöhnt und ätzend. Die Eltern sprachen mit ihm, wie Eltern in amerikanischen Mittelschichtfamilienfilmen mit Kindern sprechen: sportsfreundmäßig, partnerschaftlich und Gefühle simulierend (notorisch hysterisch). In der Schöner-wohnen-Atmosphäre des Cottage schauspielert Demi Moore die Erfolgsautorin, und das macht sie gut. Sie hat mit der Schreibmaschine und dem Sinn der Wörter, die Buchstabe für Buchstabe aufs Papier geschlagen werden, exakt so wenig zu tun wie eine Unterhaltungsschriftstellerin. Beide tun nur so. (Es war ein strahlend schöner Sommermorgen, als Susan ans Fenster trat und auf das Meer hinaus schaute.) Diese Panik vor Kindern interessiert mich. Als seien die etwas oder wüßten etwas, vor dem man sich sein halbes Leben gefürchtet hat. Die Panik nämlich, daß man auffliegt mit seinem ganzen Quatsch. Deshalb reden sie so komisch in den Filmen und genauso auch im Leben.
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