Kinder in Filmen II

Der Filmvater möchte einen freien Nachmittag mit seinem Jungen verbringen. Vermutlich gehen beide zum Baseball, werden eine „gute Zeit“ haben, ihr Team anfeuern, Popcorn essen und herumbrüllen. Der Junge wird glücklich sein, seinen Vater ganz für sich zu haben oder ihn überhaupt einmal zu sehen. Die Filmmutter winkt ihnen nach, wenn sie ins Auto steigen, beide ausgestattet mit den Erkennungszeichen des Fans: Shirt, Schal, Mütze. Daß die beiden Männer, der kleine und der große, kein natürliches Verhältnis zueinander haben, sieht jeder. Dazu ist die Szenerie zu herausgestellt, zu sehr abgehoben vom Alltag und der Alltäglichkeit der Verrichtungen und Aufteilungen. Der Stadionbesuch soll aufwiegen, was sonst fehlt. Der Junge hat den Glauben an seinen Vater schon fast verloren. Er beruht auf Vertrauen, dem wichtigsten und kostbarsten Gut, das es zwischen Menschen gibt. Der Filmvater hat etliche Versprechen nicht halten können: sein Job verlangt von ihm den vollen Einsatz, auch die Überstunden. Da sind Kunden zufrieden zu stellen, die sind nicht wichtiger als der Junge, aber mächtiger. Die Filmmutter hat vielleicht längst einen anderen und nutzt die Baseballstunden zur Pflege ihrer neuen Liebes- oder Ersatzbeziehung. Sie stellt sich vor, daß ihr Mann sie ebenfalls betrügt. Im Gesicht des Jungen graben sich unsichtbar die Linien der Verzweiflung und der Trotzigkeit ein. Er fühlt sich einsam in dieser Welt aus knapper Zeit und limitierter Liebe. Die Coke würde er seinem Schauspielervater mit dem ein wenig ängstlichen Jetzt-sind-wir-glücklich-Grinsen am liebsten ins Gesicht schütten. Doch sein Dad ist ja genauso arm dran wie Mom, die er nachts weinen hört manchmal.


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