Der Verkäufer des Straßenmagazins wünscht uns einen guten Tag und sagt, wir sollten lächeln, dann bekämen wir gute Laune und der Tag sei schöner so. Er sagt das jedesmal, wortwörtlich, wir kennen ihn schon. Erst lächeln, dann gute Laune bekommen. Das klappt. Es sei denn, man ist wirklich sehr überzeugt von der eigenen Griesgrämigkeit und hat mit ihr seinen persönlichen Tagesausdruck gefunden. Ich laufe manchmal eine Straße entlang und stelle mir die Frage, warum ich nicht lächle. Kaum stelle ich mir die Frage, muß ich lächeln. Auch wenn ich vieles schwernehme und Kleinigkeiten mir nachgehen, als hätten sie endlich einen gefunden, der sich ihnen widmet, funktioniert der Trick. Eigentlich ist es aber kein Trick, sondern eine ernstgemeinte und ernstzunehmende Frage. Bin ich wirklich überzeugt, daß ein Lächeln albern, unangemessen oder sogar schädlich ist? Andererseits mag ich Kulturen nicht, in denen Menschen dauernd grinsen, als seien sie schon etwas verblödet oder präsentierten sich einer Kamera. Ich bewundere den Ernst der Frauen, Männer und Kinder auf den alten Photographien. Als hätte das Leben damals über eine größere Tiefe verfügt. Es wurde härter gearbeitet und früher gestorben. Es wurde anders gelacht, anders gelächelt, anders gefeiert. Man fühlte sich nicht so sicher und konnte von Glück sagen, wenn die eigene Familie verschont blieb von den Heimsuchungen des Lebens: Feuer, Hunger, Krankheit, Armut, Mißernte, Unfälle, Kindestod, Dürre, Seuche, Flut und Krieg. Uns möge es einmal besser gehen, schworen sich und uns die Eltern und Großeltern.
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