Heller Nachgang

In der Ferne der Zeit stehen die Katapulte und schleudern Aussagen herüber, die ich vor Tagen gehört, jedoch nicht oder oberflächlich nur verstanden habe. Nun schlagen sie wie Leuchtgeschosse ein.

Es ist unmöglich, während eines laufenden Gesprächs sämtliche Gesichtspunkte (oder auch nur einen ansehnlichen Teil davon) aufzunehmen und zu würdigen.

Die Sätze gehen nach. Sie kehren zurück. Oft Tage, manchmal Jahre später. Dann dieses Gefühl: sie schlagen ein. Doch woher mögen sie kommen? Aus der Erinnerung, ruft es schnell; doch ich weiß nicht, wer ruft; ich höre nur, daß jemand ruft; meist die Zeitgenossenschaft; die ruft gerne und viel.

Die Erinnerung ist die Ferne der Zeit, aus der geschossen wird. Andere waren im Weltenraum und sagten anschließend, ihnen sei kein Gott begegnet. Ich habe diese Aussage nie verstanden. Ich würde nicht vorrangig dort suchen. Eher in einem dieser Augenblicke oder kurz danach, wenn ein Einschlag aufleuchtet und es hell wird rundherum. Im Aufleuchten des Sinns, wenn das nicht zu hochgestochen klingt.

Darauf habe ich mich mit mir selbst geeinigt: daß ich in Gott ein Synonym für Sinn erkennen kann. Doch das führt an andere Stellen; ich bin hier an jener Stelle, an der es um die Nachbelichtung alter Aufnahmen geht und mir bewußt wird, daß die Aufnahmen bruchstückhaft sind und sich später erst entfalten. Vielleicht könnte man sagen: Das wirklich Wichtige offenbart sich spät, jedenfalls später. Im Augenblick zählt anderes. Das Jetzt enthält nicht alles, obwohl es alles enthält.


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