Interessanter Beitrag von Bernhard Pörksen über Arten des Hörens: Hört doch mal zu! Er bedient sich des Bildes der zwei Ohren. „Mit dem ersten, dem Ich-Ohr, hören wir entlang unserer persönlichen Urteile und Vorurteile zu … Hier fragen wir nach dem Grad der Übereinstimmung mit unseren eigenen Auffassungen, die als Filter funktionieren. […] Das Du-Ohr bringt die nicht egozentrische Aufmerksamkeit. Hier versucht man, in die Welt des anderen einzutauchen. Man fragt: In welcher Welt ist das, was der andere sagt, plausibel, sinnvoll, wahr? Mit dem Du-Ohr hören wir den anderen wirklich – in seiner Fremdheit, seiner Schönheit, seinem Schrecken.“ Er schreibt: „Echtes Zuhören ist ein Geschenk. Wie macht man es zumindest wahrscheinlicher? Zuerst müßte man den inneren und äußeren Lärm dämpfen.“
Ärzte unterbrechen ihre Patienten nach durchschnittlich 18 bis 23 Sekunden das erste Mal, das zeigten Studien.
Jeder möchte das Seine loswerden – doch wozu eigentlich? Sind das unsere Lebens- und Könnensbeweise? Geraten wir in Vergessenheit, übersieht man uns, verschwinden wir, wenn wir nicht gleich sprechen? Der menschliche Geltungsdrang ist groß. Der Sprechende oder Vortragende scheint zu dominieren, denn er zwingt den anderen zum Schweigen, bringt ihn zum Verstummen, löscht ihn nahezu aus. So überfahren manche Eltern ihre Kinder, manche Lehrer ihre Schüler, manche Chefs ihre Angestellten. Was geschieht da? Wozu soll es dienen? Der Stärkere entlastet sich auf Kosten des Schwächeren oder Rücksichtsvolleren.
Ich bin das Klo, in das jeder hineinscheißen darf, schrieb ich vor ein paar Jahren. Ganz so schlimm ist es nicht mehr. Auf diesen Seiten spreche ich und zwinge niemanden zum Zuhören.
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Sorry, Pörksen mit seinen beiden Ohren finde ich verwirrend. Worin liegt der Erkenntnisfortschritt? Im Gegenteil, als ob ich irgendwie in eine fremde, meinetwegen deine Welt eindringen könnte, was für ein Schwachsinn, erkenntnistheoretisch, psychologisch, wie auch immer. Das einzige Eindringen, was geht, ist F***
Und dass Zuhören ein Geschenk sei, ist es das, was du kürzlich banal nanntest? O.k.
„Entlasten“ ist gut – früher sagte man „erleichtern“. Wobei für meine Empfindung beim Ersteren irgendwie eine Rest-Last lasten bleibt – ich spüre nicht die wirkliche – eben Erleichterung. Die Last bleibt ein Stück weit kleben beim Entlasten, oder?
Naja, wenn der „Stärkere“ immer wüsste. Man schaltet ja oft genug auf Durchzug bzw. denkt sich seinen Teil. Obwohl ich den Begriff „stark“ im Zusammenhang mit Sprache und Kommunikation auch mal ganz spannend finde. Physikalisch ist Sprechen ja ganz „leicht“ – ich meine, es hat keine Masse. „Stark“ bringt doch irgendwie Masse mit, oder? Von daher kommt mir der „starke Sprecher“ wie eine Chimäre vor – mehr Wunsch als Wirklichkeit. Bei „stark“ denke ich außer an Muskeln zuerst immer: starker Trinker, Esser oder so. Starker Sprecher – auch geil.
Zum Klo fällt mir noch Koprophilie ein. Es gibt also welche, die das buchstäblich mögen. Bei dir war es ja dann wohl mehr ein schlimmes Schicksal, was sich nun gewendet hat. Ist doch auch schön. Ich hätte auf Sch***fressen auch keinen Bock. Darum werde ich langsam, aber sicher zum Medien-Abstinenzler.