Vampirkritische Methode 2

Eigentlich ist es noch viel schlimmer. Der Geist wendet sich nicht nur gegen sich selbst, er wendet sich gegen seinen Träger. Er ist es leid, er kündigt. Doch bevor er kündigt, zerfetzt und zerkaut er jenes Wesen, in dem zu wohnen und walten ihm aufgegeben wurde. In mir oder in dir oder in sonstwem. Das ist die Krise, daher der Schmerz, die Leere. Das Gefühl, ausgezehrt zu sein. Der Geist braucht Nahrung, doch auf die geistige Ernährung wird nicht wert gelegt, derzeit nicht. Stattdessen vielgepriesene Gesundheit des Äußeren und Sichtbaren, passend zu einer Gegenwart des schnellen Blicks. Daß wir eine Seele besitzen – wird darüber nicht gelacht, und zwar seit langem, und zwar vor allem von Psychologen? (Sollte ich mich irren, ist dieser Eintrag anders richtig oder falsch.) Was hat der Geist mit der Seele zu schaffen? Liegen nicht beide in einem, nämlich organisch im Gehirn, spricht man nicht von Bewußtsein und sicherheitshalber noch vom Unbewußten? Was ist los dort oben hinter und über meinen Augen? Die spirituelle Leere entgeistert das Leben, es ist leer und reduziert auf Reize und Reaktionen, gebettet in nichts … Das ist die Katastrophe. Leben auf einer Ebene mit allen und allem – das ist die permanente Konkurrenz, das ist der Irrsinn nahender Verzweiflung. Davon leben die Vampire, sie lecken sich die Lippen. Jede Leere wird gestopft, doch dafür mußt du bluten.


Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Vampirkritische Methode 2

Ein Gedanke zu „Vampirkritische Methode 2“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert