Das Recht

Die Frage nach der Freiheit ist die Frage nach dem Recht auf Selbstmord. Die Glaubensgemeinschaften lehnen ihn ab und überlassen Umstände und Zeitpunkt des Todes ihrem Gott. Das ist nachvollziehbar. Es hieße, IHM in die Geschäfte zu pfuschen, in SEIN Hauptgeschäft sogar. Denn das ist IHM geblieben, nachdem vieles andere SEINER Kontrolle entrissen zu sein scheint. Die Menschen sind aufsässig und möchten selbst bestimmen, wie sie leben, und nehmen dafür in Kauf, SEINEN Schutz und Segen zu verlieren. In Fluch- und Staunensformeln hat ER überlebt, und am offenen Grab wird ER ebenfalls noch gebraucht. Ohne GOTT sind die Menschen ärmer, scheint es. Ob sie deshalb auch unmoralischer sind, frage ich mich, der ich Gott für die größte Erfindung des Menschen halte, um etwas zu berühren und zu verehren, das Natur, Geist, Ordnung ist und alles sinnvoll umfaßt. Nach solcher Vorstellung hätte jeder einzelne seinen Platz und dürfte ihn erst räumen, wenn es IHM gefällt. Wie steht es demnach mit der Freiheit? Wem gehören wir denn noch? Der Staat meldet sein Recht an, das Militär, der Arbeitgeber, die Versicherungen, die Medizin (Organe!), die Familien, die Freunde, die Stammkneipe. Wir sind ziemlich verwoben und werden beansprucht, wie auch wir beanspruchen. Ein Geflecht interessanter Beziehungen, das untersucht zu werden lohnt. Nietzsche sagte, gut werde genannt, was die anderen von uns erwarten – wie sie uns gerne hätten. Das ist keine befriedigende Auskunft, aber sie ist sehr pragmatisch und leicht zu verstehen. Darf man also aus dem Zirkus aussteigen, wenn einem danach ist und man keine Lust mehr hat, seine kleinen Kunststückchen aufzuführen, und sei es dafür, daß die Show weitergeht?


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