Übrigens denke ich, daß ich nun und fortan wieder lesen kann. Ich meine wirklich LESEN – nicht nur zur Kenntnis nehmen oder überfliegen. Ich las lediglich noch informativ, demnach oberflächlich, sogar die Poesie, insbesondere sie, auch wenn ich mich vereinzelt bemühte, tiefer hinein zu gelangen. In Wahrheit war ich woanders, kaum je halb in einem Buch, vielmehr nur mit einem einzelnen Sinn, und auch mit ihm nicht mal ganz. Ich war abgelenkt, etwas hielt mich beschäftigt, draußen, außerhalb der Buchstabenkunstwerke. Es hielt mich davon ab, tiefer in sie hinein zu gelangen. Ich war befangen. Für mich waren die meisten Bücher, an denen ich mich probierte (so lautet die Formulierung, die zu meiner schlechten Haltung paßt), schlimmstenfalls Machwerke, bestenfalls Versionen des ewig Gleichen. Ich hoffe, diese Fehleinschätzung nun überwunden zu haben. Ich hoffe, daß es eine Fehleinschätzung war. Sonst benötige ich neue Bücher oder die sehr alten, vor denen ich mich bisher fürchtete oder deren Inhalt ich für abgegolten hielt. Ich möchte nicht von der Vergangenheit gefressen werden. Aber ich weiß auch, daß fast alle Menschen Angst vor der Zukunft haben. Sie leuchtet nicht. Das liegt an uns.
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