Vor dem Aufbruch

Gehen, weiter gehen, immer weiter gehen. Sich nicht dauernd umsehen, ob noch jemand schaut, ob der Heimatort noch zu sehen oder mit der letzten Wegbiegung verschwunden ist. Soll er bleiben, wo er ist. Möge er nicht folgen, es reicht, wenn einer geht. Hauptsache einer geht. Das Eigene tun ohne Rückversicherung, ohne Zustimmung oder Einladung, ohne vorher Rat einzuholen oder eine Ankündigung auszusenden. Sich selbst voll und ganz verantworten und den Preis zahlen. So gelingt der Sprung, denn wenig hält einen zurück.

Man wird nichts Entscheidendes von sich erwarten dürfen, solange es in einem unentschieden steht. Jede Stimme zählt, sagen sie. Das stimmt, doch man soll die Stimmen gewichten, wenigstens in der inneren Demokratie. Sonst gewinnen diejenigen, die alles immer schon vorher gewußt haben und einzig aus dem Bestehenden und Anerkannten heraus zu denken vermögen; diejenigen, die in uns Sitz und Stimme haben und jenen Mächten gehören, die mildern und bremsen und sich sofort fürchten, wenn die Grenzen des Berechenbaren überschritten werden.

Es gibt Situationen, in denen ein Ausharren dienlich ist. Das sind Zeiten, in denen nichts Ferneres lockt. Es sind die Jahre des Aushaltens und der Beständigkeit, der Bewährung und des Sammelns von Erfahrung. Geduldige Durchdringung eines Ortes, eines Themas, einer Tätigkeit. Jahre des inneren Wachstums und vielleicht der Reife. Doch dann meldet sich das wildere Leben zurück und fordert heraus. Nun gilt es. Die Anspannung wird spürbar, Körper und Geist werden mobilisiert. Nur die weiche Seele träumt noch herum und schmiegt sich zärtlich in die stillen Räume.

 


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