Die permanente Bescherung

„Uns geht es gut“, sagt der Maximalkonsument. Er ist umgeben von technischem Spielzeug, ein hochgerüsteter Freizeitkrieger. Er kann seine Wohnung zu einem virtuellen Raum umgestalten, indem er die Brille aufzieht und Feuer frei ins Gefecht marschiert. Wirklich getroffen wird er nicht. Er ist einer aus der Plug-and-play-Generation, bestens informiert und überallhin vernetzt. Seine Domäne ist das Neueste, er lebt im digitalen Superlativ. „Uns geht es gut“, sagt er, denn woanders herrschen Krieg, Hunger, Durst und entsetzliches Elend. Wenn er auf die Malediven will, bucht er sich dorthin. Er ist ein stolzer Aufsteiger, nahezu ganz aus eigener Leistung. Er genießt seinen Wohlstand und geht davon aus, daß andere ihn teilen. „Uns geht es gut“, sagt er freundlich. Auf wessen Kosten es ihm so gut geht, weiß er. Aber er ist viel zu berauscht von den bunten Kinkerlitzchen der digitalen Moderne, als daß es ihn ernsthaft beschäftigen könnte. In seiner Begeisterung ähnelt er einem Kind. Er ist glücklich, absolut glücklich, und er will durch dieses Wissen nicht unglücklich werden. Er lebt in einem Traum. Als sei immer Heiligabend und es werde dauernd beschert. Ich kann mir gut vorstellen, wie aggressiv er wird, wenn jemand versuchen sollte, ihm sein Spielzeug wegzunehmen. Bisher lief die Umverteilung allerdings zu seinen Gunsten. Er ist niemand Bestimmtes, vielmehr jemand Unbestimmtes. Ich kenne einige aus seiner Gehaltsklasse. Sie sind die Verwöhnten, sie waren die Erwünschten. Sie sind die wohlgenährten Luxusbabys der Gewinngesellschaft Deutschland mit beschränkter Haftung. Sie können nichts dafür, sie können für nichts irgendetwas. Das ist ihr Problem, und sie werden es nicht aufzulösen vermögen. Sollte ihnen wider Erwarten die Zukunft gehören, werden sie sich gegenseitig adeln und Ringe anfertigen lassen mit neuen Wappen. Die aristokratischen Bürgerkinder, die nach ihnen kommen, werden vermutlich noch schlimmer. Es bleibt Spielraum nach oben und die Ansprüche sind gewaltig.


Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Die permanente Bescherung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert