Ans Baugerüst gelehnt sitzt ein alter Mann auf einem Kissen und bettelt. Die Gerüstbretter über ihm schützen vor dem Regen. Er sitzt neben einer Pfütze und streckt den Pappbecher vor, murmelt etwas in einer fremden Sprache. Nein, es ist kein Murmeln, eher ein resigniertes Wimmern, ein Klagegesang. Sein Gesicht ist tief gefurcht, die Augen sind dunkel. Auf dem Kopf trägt er einen schmalkrempigen Filzhut, wie ihn eine Zeitlang die jungen Bohemiens trugen, die in Bands spielten oder Künstler werden wollten. Er sitzt genau dort, wo das Geld aus der Wand kommt. Auch ich muß zum Geldautomaten, anschließend ein Pfund Kaffee kaufen. Es ist Sonntagnachmittag, es regnet. Zu frei, um noch gebraucht zu werden, denke ich. Dann denke ich, daß es völlig unerheblich ist, was ich denke. Dort sitzt die Geschichte und Gegenwart eines Teils von Europa, sitzt neben der Pfütze zwischen den Eiligen mit oder ohne Schirm. Das Wochenende geht zuende, eine Frau mit Rollkoffer hält Ausschau nach einem Taxi, das sie zum Hauptbahnhof fährt. Ich koche mir gleich meinen Kaffee und denke schon wieder etwas, nämlich daß das Leben brutal ist und nahezu unausgesetzt ein elender Kampf, und daß diejenigen unbeschwert sein mögen, die sich darüber nicht im klaren sind. Andererseits wird es nicht dadurch besser, daß man es sagt. Durch nichts wird es besser, man muß es annehmen wie ein verdientes oder unverdientes Geschenk.
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