Die Abschaffung des Menschen

Gespräch über die fernere Zukunft: gewisse Annahmen, gewisse Aussichten. Zum Beispiel die, daß sich der Mensch selbst abschaffen wird, zugunsten einer überlebens- und insgesamt fähigeren künstlichen Intelligenz, weniger anfällig, deutlich berechenbarer und zuverlässiger. Diese zunächst noch installierte, sich dann aber von ihrem Schöpfer lossagende Intelligenz wird den Menschen, sofern sie seiner noch bedarf, in Reservaten halten wie eine seltene Tierart, bei der man nicht wissen kann, wozu sie einst noch dienen mag. Motor der Abschaffung des Menschen sind Medizin und Militär, die jeweils vorgeschobenen Posten des Wissens, des Könnens und der Macht. Da der Mensch nicht weiß, was er will, arbeitet er in alle nur erdenklichen Richtungen. Wer könnte je die Neugier stoppen? Man müßte mächtige Tabus errichten, um solches Suchen und Forschen zu begrenzen. Doch es wird sich nicht begrenzen lassen. Irgendwer tüftelt irgendwo an irgendwas. Es wird immer unheimlicher. Wir werden einen Durchbruch nach dem anderen erleben, Unglaubliches wird wahr. Derweil schlafen die „Gegenmächte“ oder ziehen sich zurück in die Kammern ihrer Selbstgefälligkeit. Vermutlich haben sie bereits kapituliert, denn die zählenden und zahlenden Massen begrüßen den Fortschritt und werden auf ungewissem Kurs bei Laune gehalten. Sie teilen den Glauben an Zukunft durch Technik mit jenen, die sich in die Kulturgeschichte der Menschheit einschreiben wollen als bekennende oder praktizierende „Transhumanisten“. Wie gut, daß es noch echte Tiere gibt.


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