Der große Regen

In Niedersachsen saufen die Städte am Rande des Harzes ab. Das Wasser geht zu Tal und nimmt den Weg durch die Rinnen und Wannen und Röhren und Schächte, schafft sich Wege, flutet und überflutet, niemand kann es aufhalten. Mein kleiner Schönregenblues über den Sommerschönregen klingt da frivol – ich wußte nichts von der Not dort, als ich das schrieb. Nun sehe ich die Bilder aus dieser mir recht vertrauten Gegend. Es sind nicht viele, sie zeigen erdbraune Fluten, die durch abhängige Straßen in Goslar schießen. In Hildesheim halten die Deiche, die Evakuierung eines Stadtteils wird erwogen. Schlagzeilen- und Nachrichtenwissen, mehr nicht. Ich hoffe, daß der Regen endet, auch wenn er hier weiterhin leise und sanft klingt – jedoch nicht enden zu wollen scheint. Wenn er die ganze nächste Nacht weiterredet wie in den Nächten und der Tage zuvor, höre selbst ich ihm nicht mehr zu. Ich bin ein heimlicher Liebhaber des Regens, der sich ausgerechnet jetzt erklärt hat. Schlechter Zeitpunkt, doch es geht um den Regen, nicht um mich. Und nun schneide ich diesen Textzopf ab, auch wenn der Regen noch mag.


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