Der neunte Tag

Abends eine einstündige Mondfinsternis. Der Mond im Sonnenschatten der Erde. Von jeher sind mir die Bewegungen der Himmelskörper nicht nur ein Rätsel, sondern unheimlich. Daß wir auf einem rasenden Planeten durchs Weltall schießen, ohne jemals mit ihm stillzustehen, kann ich mit ein paar Wörtern schreiben, aber vorstellen darf ich mir das nicht. Ich würde sonst die Hand heben und um die Erlaubnis bitten, mich aussteigen zu lassen. Einmal muß das Karussell doch gestoppt werden, wir können doch nicht dauernd im Kreis fliegen, das ergibt doch keinen Sinn. Eine Fahrt ohne Ziel, niemals endend, kein Ausstieg für niemand. Und wohin denn auch in jener Weite und Kälte dort draußen, diesem Raum ohne oben und unten. Ein endloser Raum umgibt uns, sagen die Messungen. Was bedeutet „endlos“? Wenn etwas niemals endet, gibt es keine Grenzen. Man könnte also immer weiterfliegen, vorausgesetzt, das wäre technisch möglich, und gelangte niemals an einen Punkt, wo etwas anderes beginnt – und was sollte dieses Andere schließlich sein: Nichtraum, Nichtzeit? Wer bei diesen Sachen nicht verrückt wird, hat keinen Verstand, oder leidet wenig unter seinem Vorstellungsvermögen. Mir scheint, mein Verstand ist absolut irdisch, vollständig gebunden an diese Erde, dieses Wasser, diesen Himmel, die Pflanzen, die Tiere, die Menschen, die Landschaften, die Sinne. Vielleicht sehe ich deshalb nicht die Sternenkriegs- und Weltraumfahrerabenteuer. Ich stellte mir vor, ich wäre an Bord eines dieser häßlichen Fahrzeuge mit elektrischen Türen und blinkenden Anzeigetafeln und müßte mich auf das Funktionieren einer Technik verlassen, die Menschen entwickelt haben – wie in Flugzeug, Auto und Bahn …


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