Einst war Liebe, jetzt ist Streit. Ihre Stimmen gellen herüber im Durchklang der Verzweiflung, einer weiteren schlimmen Niederlage zu zweit. Aber: immer wieder hoffen, immer wieder scheitern, später die Ermittlungen einleiten, den Schuldigen bestimmen, den Prozeß eröffnen, ein Urteil fällen, anschließend vielleicht Versöhnungssex. Sie nennen es Liebe. Paarwesen, ungern allein, angewiesen auf ein Gegenüber, auf dieses fixiert, Fortentwicklung über gegenseitige Hilfestellung und endlose Diskussionen. Verbesserung am Menschen, Anleihe nehmend in den Musterbüchern des Erlesenen. Kaum erwachsen, schon wieder erzogen werden, zurechtzuschneiden auf ein verträgliches Maß von Verträglichkeit und Berechenbarkeit. Einst war Liebe, jetzt ist Kalkül. Sie streiten nicht mehr, sie haben sich arrangiert, einstweilen, die Nacht ist groß, die Tage sind weit. Die beiden, die jetzt weinen oder ficken, bekommen es allein nicht hin. Die großen Tage, die weiten Nächte. Wer zu den Sternen sieht, erkennt sich anders, auch wenn die funkelnden Punkte nicht das Geringste zu tun haben sollten mit unserem kleinen großen Schicksal, dem Auf und Ab der Gesinnungen und Stimmungen und Launen und Mißhelligkeiten. Streitet weiter, Liebende, es führt zu nichts, aber es beruhigt. Die Beleidigungen sind raus, die Kränkungen sind durch Kränkungen vergolten. Nullstand. Jetzt kann man erneut lieben oder gehen. Ich würde gehen, aber das ist Geschmackssache.
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