Spaziergang. Wirbel über Kreuzberg, grauer Himmel, Wolkenlücken. Antiquariat: Henry Miller: Frankreich, Land der Erinnerung. Mit Photographien von Henri Cartier-Bresson. Erster Satz: „Wir halten an unseren Erinnerungen fest, um eine Identität zu bewahren, die ohnehin nie verlorengehen kann.“ 1947 bei New Directions erschienen, deutsche Erstausgabe 1957, Die Arche, Zürich. Meine Ausgabe erschien 2004 bei Schöffling, ich lese auf Seite 132: „Wenn Sie glühend in eine Frau verliebt wären, die eine fremde Sprache spricht, würden Sie dann nicht einen Weg finden, sie zu verstehen? Mag sein, daß der Vergleich hinkt. Um Rimbaud zu lieben, muß man eigentlich erst einmal die Schönheit seiner Sprache erfassen können. Ich verliebte mich jedoch auf den ersten Blick in ihn, wie ein Mondsüchtiger. Ich bejahte ihn, bevor ich ihn verstand. Muß man solche Dinge erklären? … Wie erkennt man sofort, daß etwas so ganz nach dem eigenen Herzen ist? Warum bin ich trotz aller Lobeshymnen nicht in der Lage, Stendhal oder Sterne oder gar Homer zu lesen? Warum unternehme ich einen Anlauf nach dem anderen, den Marquis de Sade zu lesen, obwohl ich weiß, daß ich jedesmal steckenbleibe? Aus unerfindliche Gründen glaube ich alles, was an Gutem über de Sade gesagt wird. Wie ich es auch über Francis Bacon glaube, noch jemand, den ich unverdaulich finde. Ich will damit sagen, daß manche Menschen einen zwingen, sie zu verstehen und schließlich zu bewundern. — Bei Rimbaud ist es die sofortige Begegnung oder nichts. Man begegnet sich im Himmel oder gar nicht. Seine Sprache ist eine, für die Wörterbücher nichts nützen.“
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