Beleidigungen

Impertinenz bezeichnete ursprünglich etwas, das nicht zur Sache gehört, nicht ’sachdienlich‘ ist. Später entwickelte sich daraus die Bedeutung, die wir kennen: als Zudringlichkeit oder Unverschämtheit. Der Musiker mit der Persönlichkeitsstörung, man hätte ihn nicht an Klavier lassen dürfen: er spielte angeberisch und laut, als müßten die Akkorde gehackt werden. Seine Begleiterin sollte ihn bewundern, sie lief davon. Er drängte sich zwischen zwei Frauen, als seien sie Sachen, die im Weg sind, Gepäckstücke oder Altkleidersäcke. Er ergriff das Wort, als sei es das Natürlichste, ungefragt in die Gespräche anderer einzudringen. Er machte sich über das Wort Sexismus lustig, denn am sexistischsten seien schließlich die Frauen, die am lautesten den Sexismus anprangerten, und sie würden bald schon erleben, wieviele Prozente die AfD bekommt. Selbst schuld, sagte er. Schließlich ging er. Als man ihm ‚Wichser‘ hinterher rief, kam er zurück und wollte diskutieren. Niemand wollte mit ihm diskutieren, das verstand er nicht. Dann fing er an zu singen, so laut, daß sich die Gäste die Ohren zuhalten mußten. Man kennt ihn im Kiez, mit ihm gibt es Streit, nicht manchmal, sondern immer. Er kann sich nicht zurücknehmen, ist das ungezogene Kind, das nichts einzusehen vermag. Sein Auftritt stärkte das Gemeinschaftsgefühl.


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