Jeder für sich ist längst verloren 2

Zweimal nun schon habe ich demonstriert, bin mit anderen halbwegs lautstark und sichtbar durch die Straßen gezogen und habe mich wider Erwarten nicht unwohl, übel oder deplaziert gefühlt. Im Gegenteil: genau richtig. Die Passanten und die Bewohner des Kiezes nahmen die Demonstration wohlwollend auf, spendeten Applaus, machten Photos von uns, filmten. Einige nickten oder klatschten mit, denn wir waren auch ein wenig rhythmisch. Während wir durch die Straßen zogen, spürte ich bis zum Ergriffensein und zur Rührung, daß wir stark waren und stärker wurden mit jedem Schritt. Ich sah den Stolz in den Augen derer, die mitmarschierten. Ob man den Stolz in meinen Augen hätte sehen könne, weiß ich nicht. Manche liefen mit, die schossen Photo auf Photo, die wollten festhalten, was jetzt und hier geschieht. Wenn eine lose Gruppe sich mobilisiert und mit einem Mal ein gemeinsames Ziel hat, bedeutet das viel. Es berauscht. Wofür wir uns sichtbar, hörbar und spürbar machten? Daß wir wohnen können, leben, eine Bleibe haben, bleiben können, eine bezahlbare Höhle, eine Heimstatt. Jeder versteht das, auch die Spekulanten, denn Not treibt den Preis. Deshalb auf die Straße.


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