Man darf nicht reich werden wollen – das verdirbt den Charakter von Anfang an. Wer einen solchen Beschluß faßt, ist verloren und treibt ab. Ich habe unterwegs ein paar von ihnen kennengelernt, sie übersetzten alles in ihre Sprache, es war trübsinnig. Sie dauerten mich, hatten keine Klasse, wirkten knickrig. Dauernd rechnete es in ihnen. Sie wären gern anders, dachte ich einst, ein bißchen entspannter und befreiter vielleicht. Aber sie fanden nicht heraus, strichen an ihrem Geldgatter entlang und gierten auf das, was das Gatter verlängern half, die nächsten paar Meter im Zoo. Niemand kann sie trösten, ich bin mir sicher. Sie besorgten sich Stil, sie interessierten sich für Design, sie gingen ins Theater, diskutierten über Filme, lasen gewisse Bücher, verschafften sich Zugang zum Exquisiten, wurden Sammler, nannten sich Connaisseure, tranken edle Weine, rauchten teure Zigarren, buchten gewisse Hotels, schämten sich ihrer Eltern, der Herkunft. Man darf nicht reich werden wollen, es muß versehentlich geschehen, lässig.
Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.