Blut spenden und Organe

Qualzucht und Qualhaltung. Die verkürzten Schnauzen, die übergroßen Augen bei Rassehunden; Massentierhaltung bei Hühnern, Schweinen, Rindern, Milchkühen, Truthähnen. Qualhaltung des Menschen? Kindergarten, Schule, Universität, Armee, Polizei, Krankenhaus, Psychiatrie, Großraumbüro, Call-Center, Werkhalle, Kinderheim, Jugendheim, Altenheim, Bootcamp, Gefängnis, Lager. An uns wird gezogen und gezerrt, wir werden geschoben und geschubst. Manche bekommen Schläge, andere werden getreten. Es wird Druck gemacht. Druck soll Nachgeben erzwingen. Folgsam sein und „spuren“. Erziehung – darin steckt ziehen, also überdehnen, strecken, emporbefördern, reißend. Ich ziehe dir die Haare lang. Du bekommst eins hinter die Ohren. Warte nur, bis Papa nach Hause kommt. Sprucherziehung. Glück, wenn man all das überstanden hat eines Tages, im Alter von sagen wir dreißig oder so. Wann beginnt denn das freie Leben, kann das noch jemand nach dieser Tortur? Und wieder übertreibe ich, doch ich zensiere mich nicht, schreibe weiter, niemand kann mir meine Erfahrungen relativieren. Das Schwimmbad eine Folterkammer, Chlorgeruch und nackte Fliesen, naß, ausrutschen und aufschlagen, Blut aus der Nase. Die Habseligkeiten in dem Massenschrank mit Schlüssel am Schlüsselband, bloß nicht verlieren. Im Massenschrank mit der Schlüsselnummer der Plastikkleiderbügel mit Netz für die Kleidung und Haken für die Schuhe. Haken! Öffnet man die Tür des Massenschranks, rutscht die Münze in die Plastikschale unter dem Schloß, das macht klack, und man soll die Münze dann schnell einstecken, da man sie sonst vergißt. Die Enge in den Umkleidekabinen, dauernd stößt man an. Fönen kurz vor dem Ausgang, da hängen die Föne, gleich bist du draußen. Ja, an diesen Orten wird Geld gemacht, da gibt es nicht viel Platz für das Einzelne. Ich bin das Einzelne, mit dem Geld gemacht werden soll. An jeder scheiß Stelle dieser Gesellschaft soll mit mir oder durch mich Geld gemacht werden. Das ist widerlich, das degradiert mich, das macht mich und alles andere zu einem Vorwand. Ich kann dazu nicht weise und erwachsen nicken. Ich fühle mich nicht sozialisiert, sondern vergewaltigt. Ich laufe hier herum und suche Schönheit, Wahrheit, Gutes. Solches soll in die Welt, die wir viel zu sehr jenen überlassen, die wieder nur Geschäft sehen und Geschäft sind, zieht man ab, was so gesagt wird (wohlfeil und gefällig). Woher nur kommt dieses geschäftige Denken und Tun. Man hat es ihnen beigebracht, sie denken, es gehört so. Sie denken ja auch gar nicht, sie tun nur so. Sie … Keine Ahnung, wer die sind, die ich „sie“ nenne. Ich sehe sie dauernd und höre ihnen gelangweilt bis angeödet zu. Sie treten vor die Kameras und die Mikrophone und faseln und finden kein Ende. Da alles immer nur ist, was es ist, sind sie selbstverständlich entschuldigt und kehren gerechtfertigt heim, küssen und schlagen sonstwen.


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