Nun, da mir die Gegenwart zu wenig gibt (welch ein Vorwurf — nein, kein Vorwurf), bin ich vielleicht bereit, in die Tiefe der Zeit einzudringen, in die langen Gänge und tiefen Stollen der Geschichte. Ich war zu unruhig für solche Beschäftigung, damals. Die Gegenwärtigkeit der Dinge nahm mich gefangen, ihr Sinnenreiz war stärker als jedes Bücher- und Lesestudium. Der Blick aus dem geöffneten Fenster in die Wipfel der Bäume und die feine Bewegtheit der Blätter an einem Sommertag im Sommersemester – und ich statt da draußen hier drinnen, im lieblosen Seminarraum mit Tischen, Bänken, Pult und Tafel; die Wände, die Türen, die Flure vollgehängt und zugeklebt mit Flugblättern, Einladungen, Verkaufsangeboten, Verlautbarungen. Massenuniversität und Einsamkeit. Wohin sollte ich denn? Und was könnte ich dort draußen unter den Bäumen tun? Geschichte erschien mir wie eine Beschäftigung mit dem Tod, mit Raub und Mord, Haß und Gier. Über dem Gewimmel die jeweiligen Ideen. Ich hatte in der Reichshandwerksordnung von 1731 nichts zu suchen, das konnten andere machen. Die Geschichte ließ sie aufleben, mich stieß sie ab. Ich wollte leben, wie hilflos das auch klingt. Denn ich wußte noch gar nicht, wie das geht und was alles dazu gehört. Mein Anfangssatz suggeriert, daß ich weitergekommen bin. Sicher bin ich mir nicht – daher dieses ‚vielleicht‘. Viel und leicht – was kann ein solches Wort schon können? Nun bin ich durchs Schreiben mutlos geworden und mache an dieser Stelle Schluß.
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