Gut gealtert

Sieben – David Finchers Film über einen Serienmörder, der die Todsünden ahndet, indem er tötet. Noch sechs Tage bis zur Pensionierung, William Somerset (Morgan Freeman) hält nach dem ersten Mord die Bälle flach. Dauernd regnet es. David Mills (Brad Pitt) ist neu im Revier, muß sich bewähren. Er ist der Rechtshänder, Freeman schreibt mit links. Rührend die amerikanische Art, sich einem Ritualmörder gründlich zu nähern, von allen Seiten: indem die beiden Ermittler literaturhistorisch aufrüsten, Dante lesen, Chaucer. Die Idee: in die Vorstellungs- und Erlebniswelt des Täters eintreten, denken und fühlen wie er, seine nächsten Schritte antizipieren. Positivistischer Ansatz: was es gibt, hat Gründe; wohin sie auch führen, man kann ihnen folgen. Aufklärung: ein Duell zwischen dem Künstler und seinen Interpreten. – Ich sehe den Film nach Jahren wieder, er hat Patina bekommen. Die bekommt ihm gut. Mit solchen Augen sah ich als Jugendlicher French Connection mit Gene Hackman und Roy Scheider. Die Patina erst verleiht dem Film die Weihe des Grusels. Dahin reicht man nicht, das liegt sonstwo, bleibt gefährlich.


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